Egger droht mit Ausbaustopp in seinen Tiroler Werken

Holzknappheit und eine prekäre Verkehrssituation machen der Egger-Gruppe zu schaffen, der Holzkonzern wurde beim Land vorstellig.

Von Beate Troger

St. Johann i. T., Wörgl –Der Unterländer Holzkonzern Egger kämpft gegen die Explosion der Rohstoffpreise und eine allgemeine Holzknappheit. „Das sind durchaus ernste Probleme“, sagt der für Produktion und Technik verantwortliche Geschäftsleiter Walter Schiegl im TT-Gespräch. Die Tiroler Standorte und die 1000 Arbeitsplätze in der Zentrale St. Johann und Wörgl sieht er derzeit nicht in Gefahr, „aber ohne Unterstützung sind weitere Investitionen in den Ausbau der Tiroler Werke nicht mehr sinnvoll“, resümiert Schiegl. Eine weitere Kapazitätssteigerung sei künftig kaum noch möglich.

Anfang der Woche sind die beiden Egger-Geschäftsleiter Walter Schiegl und Thomas Leissing bei LH-Stellvertreter Anton Steixner und LR Bernhard Tilg mit ihren Sorgen vorstellig geworden. Das Unternehmen fordert eine Sicherstellung der Versorgung mit heimischem Holz. „Wir begrüßen, dass das Land den Holzeinschlag und die Holzförderung kräftig forciert“, berichtet Schiegl von den Gesprächen mit den Landesräten. Dem 6500-Mitarbeiter-Konzern ist vor allem die Förderung für private Pelletsheizungen in Tirol ein Dorn im Auge: „Diese einseitige Förderung von Holz als Brennstoff verschwendet wertvolle Ressourcen“, ist Finanzchef Thomas Leissing überzeugt. „Vor fünf Jahren stammten noch weit über 50 Prozent unseres Rohstoffes aus Tirol“, sagt Schiegl. Mittlerweile ist dieser Anteil auf rund 40 Prozent gesunken. Immer mehr Holz müsse importiert werden, der Kostendruck ist international groß. Die Holzpreise seien zuletzt um rund 25 Prozent in die Höhe geschossen, sagt Schiegl. Diese Kosten muss die Egger-Gruppe überwiegend schlucken: „Wir können die Preissteigerungen nicht linear an unsere Kunden weitergeben“, sagt Schiegl.

Die Verkehrsproblematik sei hingegen ein „gesamt­österreichisches Problem“, das alle Industriebetriebe betreffe. Scharfe Kritik übt Geschäftsleiter Schiegl an der ÖBB-Tochter Rail Cargo. Kostensteigerungen um bis zu 30 Prozent und die Einstellung mehrerer Leistungen hätten dazu geführt, dass Egger nahezu den gesamten Transport wieder auf die Straße verlagern musste: „Wir haben mittlerweile verschwindend geringe Bahntransporte“, sagt Schiegl, „das ist ökonomisch und ökologisch problematisch.“ Lkw-Fahrverbote und Mauterhöhungen würden die Situation weiter verschärfen.

Das Familienunternehmen stellt in ganz Europa in 17 Werken mit 6500 Mitarbeitern u. a. diverse Spanplatten, MDF-Platten und Laminatböden her. Im Geschäftsjahr 2010/11 wurde bei einem Umsatz von 1,77 Mrd. Euro ein Nettogewinn von 60 Mio. Euro erzielt. Auch im ersten Halbjahr 2011/12 legten die Erlöse um 12 Prozent zu. „Wir sind mit der Geschäftsentwicklung nach wie vor zufrieden“, sagt Schiegl.