Wirtschaftspolitik

Moody‘s senkt Aussichten für slowakischen Bankensektor auf „negativ“

Moody‘s erwarte in der Slowakei eine schlechtere Konjunkturentwicklung. Das würde sich auf den Bankensektor auswirken.

Bratislava - Die Ratingagentur Moody‘s hat ihre Aussichten für den slowakischen Bankensektors von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt, weil sie eine schlechtere Konjunkturentwicklung in der Slowakei erwartet. Das würde letztendlich auch zu einer Verschlechterung der Bankaktiva führen. Als Pluspunkte des slowakischen Bankensektors listet Moody‘s dagegen in einer Aussendung die adäquate Kapitalisierung und die gute Liquiditätssituation der Institute auf.

Die Slowakei sei von äußeren Wirtschaftseinflüssen abhängig, insbesondere aus Deutschland und Tschechien. Die slowakische exportorientierte Industrie stelle ein großes Risiko für den Bankensektor dar, weil eine nachlassende Nachfrage zu höherer Arbeitslosigkeit und einer Zunahme der faulen Kredite („Non Performing Loans“, NPL) führen werde, auch wenn sich die NPL-Rate im Vorjahr auf 5,9 Prozent stabilisiert hätte, so die Ratingagentur.

Zwar habe sich die Profitabilität des Bankensektors in den vergangenen zwei Jahren erholt, so Moody‘s, allerdings würden die Banken durch die Rahmenbedingungen geschwächt werden, etwa wegen der seit Jahresanfang eingeführten Bankensteuer. Unter anderem erwartet die Ratingagentur auch einen Rückgang des Kreditwachstums und einen Druck auf die Zinsmargen. Dazu komme, dass sich die slowakischen Banken zu einem Großteil im Besitz von westeuropäischen Geldinstituten befinden, die selbst in Bedrängnis seien.

Für heuer erwartet Moody‘s einen Rückgang des slowakischen Wirtschaftswachstums auf 1,7 Prozent von 3,1 Prozent im Vorjahr. 2010 legte das slowakische Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Ratingagentur zufolge noch um 4 Prozent zu.

Auch die slowakische Zentralbank (NBS) korrigierte ihre BIP-Prognose leicht nach unten und erwartet nun für heuer ein Wachstum von 2,1 Prozent statt bisher 2,3 Prozent, berichteten slowakische Medien. Notenbank-Chef Jozef Makuch sieht neben der sinkenden Auslandsnachfrage auch ein Nachlassen der bisher dynamischen Investitionstätigkeit als Grund dafür. Dazu drohen dem Land Sparmaßnahmen seitens der sozialdemokratischen Regierung unter der Führung von Robert Fico, der die Sanierung der staatlichen Finanzen vorantreiben will. Das Kabinett muss im heurigen Budget mehr als eine Milliarde Euro finden, um das Defizit unter 3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) zu halten, hieß es. (APA)