Erster Sekt aus Tiroler Trauben
Weiß und Rosé: Ulrich Zeni aus Silz gewann den Schaumwein aus Zirler Trauben.
Von Elke Ruß
Innsbruck –Die Kriegerischen und die Schnellen: So nannte Kaiser Augustus die rätischen Völker Genauni und Breonen, die der Silzer Weinbauer Ulrich Zeni als Namenspaten für die ersten Tiroler Schaumweine heranzog. Sie bevölkerten die Region, als sie 15 v. Chr. von Augustus‘ Stiefsohn Drusus erobert wurde. Schnell und kräftig: So sind laut Zeni auch die zwei Sektsorten aus Zirler Trauben des Jahrgangs 2010, die er gestern im Weinkeller des Palais Ferrari in Innsbruck vorstellte.
Für den weißen Breone ließ Zeni „eine Cuvée aus Müller Thurgau und Grünem Veltiner von einem burgenländischen Profi zu Sekt verarbeiten“. Basis des kräftigeren Genauno ist eine Cuvée aus Zweigelt (80 Prozent), Portugieser und Pinot Noir. Zart ist an ihm nur das Rosé, in dem er sich präsentiert. Beide Sorten sind trocken und durchaus eigenwillig, wie Zeni ja auch den Tiroler als Menschenschlag charakterisiert. Für viele gewöhnungsbedürftig ist der unverkennbare Hefeton, der sich in der Nase und auch am Gaumen noch bemerkbar macht. „Dadurch unterscheidet er sich von Prosecco und Tanksekt“, erläutert Zeni.
Wie der Silzer Obst- und Weinbauer betont, wurden Breone und Genauno im Handrüttelverfahren gewonnen, bei dem die Flaschen einmal pro Tag aus dem Regal gezogen, gedreht und wieder „hineingeschossen“ werden. Bis zum Abrütteln der Hefe war der Sekt Zeni zufolge „ein bisserl über neun Monate in den Flaschen. Je länger er liegt, desto feiner wird er moussieren.“ Mit der aufwändigen Methode rechtfertigt er auch den Preis von 19,90 Euro im Endverkauf. Im Keller lagerfähig wären Breone und Genauno „zwei bis drei Jahre“, doch die Gefahr einer Überlagerung ist marginal: Erzeugt wurden nämlich nur 1000 Flaschen pro Sorte.
Bezogen werden können Breone und Genauno direkt am Köbelehof bzw. via Versand und über die Weinkellerei Gottardi. Zeni empfiehlt den Rosé als „perfekten Begleiter“ zu einem Osterschinken-Frühstück. Der weiße Sekt passe z. B. gut zu Spargel oder einer milden Käseplatte.
Als „Nischenprodukt“ räumt Zeni dem Tiroler Schaumwein durchaus Chancen ein. Bereits 2013 will er einen Pinot Noir „versekten“, den er im Vorjahr im Raum Sautens angepflanzt hat – dort, wo schon vor 1000 Jahren erstmals in Tirol Weinanbau urkundlich belegt ist.
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