Am Strich geht das Rotlicht aus
Das harte Vorgehen der Polizei zeigt Wirkung: Am Innsbrucker Südring tummeln sich immer weniger Prostituierte.
Von Thomas Hörmann
Innsbruck –Der Innsbrucker Südring verliert an Reiz. Zumindest aus Sicht der Freier, die die Liebesdienste der zuletzt immer zahlreicher werdenden Prostituierten in Anspruch nahmen. Für Kunden wird‘s schwieriger, am Innsbrucker Straßenstrich Liebe käuflich zu erwerben. Die Gründe: das geänderte Landespolizeigesetz und das rigorose Vorgehen der Behörde.
„Wir haben seit Anfang Oktober Strafen in der Gesamthöhe von 115.000 Euro verhängt, 40.000 Euro wurden auch tatsächlich bezahlt“, fasst Georg Köll vom Strafamt der Innsbrucker Polizeidirektion die Rotlichtflaute in Zahlen.
Geheimprostituierte, die zum ersten Mal am Südring erwischt werden, müssen mit 400 Euro Strafe rechnen. Beim dritten Mal „sind‘s dann schon 1000 bis 1500 Euro“, sagt Köll. Der gesetzlich mögliche Höchstbetrag liegt bei 3630 Euro.
Aber es kann noch schlimmer kommen: Die Polizeibehörde hat jetzt auch die Möglichkeit, gegen unbelehrbare Prostituierte Haftstrafen zu verhängen. Der gesetzliche Rahmen reicht bis zu vier Wochen im Polizeianhaltezentrum (Polizeigefängnis).
Mit der Höhe der Strafen stieg auch die Effizienz der Polizei: Früher mussten Polizisten eine Prostituierte beim Anbahnungsgespräch mit einem Freier ertappen. Inzwischen – nach der Novellierung des Landespolizeigesetzes – reicht‘s für einen Strafbescheid, wenn eine aufreizend gekleidete Dame ihre Nächte wiederholt am Südring-Gehsteig verbringt.
In Zahlen ausgedrückt: 2010 erstattete die Innsbrucker Polizei 284 Anzeigen wegen illegaler Prostitution, 2011 waren‘s 1725 Anzeigen.
Da die Prostituierten der Meldepflicht nicht immer nachkommen, holen Polizisten die Damen inzwischen direkt vom Südring ins Wachzimmer und überreichen dort die Strafbescheide. „Ich bin auch regelmäßig als Schnellrichter unterwegs und verhänge an Ort und Stelle die Geldstrafen“, sagt Köll.
Die Auswirkungen auf die Szene: „Viele Prostituierte kehren Innsbruck den Rücken. Oder sie bleiben nur kurz. Sobald die ersten Anzeigen kommen, sind sie weg“, weiß Köll.
Kommentare