„Ibidumm“ ist leider ausverkauft
Aprilscherze sind in die Jahre gekommen. Scherze, die vor Jahrzehnten noch für sehr viel Schadenfreude gesorgt hatten, sind großteils überholt. Die Tiroler Tageszeitung lockte im Laufe der Jahre so manchen Leser in die April-Falle.
Von Stefanie Kammerlander
Die Meldung saß: „Tragtierstaffel der Pontlatz-Kaserne wird aufgelöst, die Haflinger werden verkauft“, war in den 80er-Jahren in der Tiroler Tageszeitung zu lesen. Tierhändler aus ganz Österreich machten sich auf nach Landeck, um die Pferde günstig zu kaufen. Der legendäre Aprilscherz des damaligen TT-Redakteurs Karl-Heinz Callies sorgte für bitterböse Reaktionen der „Geleimten“.
Was für Betroffene oft so peinlich ist, dass sie „im Mauseloch“ verschwinden möchten, ist pure Schadenfreude für die anderen. Seit Urzeiten. Im Institut für Geschichtswissenschaften der Universität Innsbruck wird die Existenz von Aprilscherzen seit 1631 bezeugt. Die Quellen für den Ursprung sind noch nicht geklärt. Für den Brauch kommt u. a. der Termin des römischen Narrenfestes oder auch der alte Neujahrsbeginn in Frage. Das Aprilschicken könnte auch eine Erinnerung an das Herumschicken Christi von „Pontius zu Pilatus“ sein. In manchen Gegenden erscheinen die gleichen Bräuche am 1. März, dem 11. oder 31. Mai. So ist z. B. im Montafon neben dem Ruf „Abrillakalb“ auch „Märzafülli“ eine bekannte Verspottung. Das Aprilschicken soll für den Betroffenen auch Folgen haben. „Aprilnarr – bleibt ein Esel das ganze Jahr“, lautet ein alter Spruch.
„Kannst du bitte schnell ein Sackerl ,Ibidumm‘ kaufen.“ Mit solchen Aufforderungen wurden Kinder vor Jahren in den April geschickt. Auch die seltene Rasse der „Blumento-Pferde“ (Blumentopferde) war als Scherz unter Kindern sehr beliebt. Gerne klebten die Kleinen ihren Mitschülern unbemerkt einen Zettel an die Kleidung, etwa „Ich bin der größte Esel“. Je länger der Schüler diesen Streich nicht bemerkte, umso größer war die Freude des Übeltäters. Nicht nur im Familienkreis wurden Scherze ausgeheckt – auch im Berufsleben bekamen Lehrlinge ihr Fett ab. „Jetzt hab‘ ich doch die G‘wichtln für die Wasserwaage verlegt – hol mir bitte neue“, schickte der Meister seinen Lehrling los. Scherze, die allerdings heute so gut wie nicht mehr gemacht werden.
Die Bräuche am 1. April unterscheiden sich weltweit. Während etwa Engländer gerne scherzhafte Briefe versenden, versuchen Niederländer und Friesen Gesichter fremder Menschen anzumalen. Gruselig war etwa der Spaß, den sich Dänen an einem 1. April erlaubten: Statt der berühmten Meerjungfrau war ein Skelett zu sehen. Die dänische Nachrichtenagentur schickte eine Erklärung aus, in der es hieß, dass das Skelett zur Art der Nymphenfische gehöre. Fakt ist: Das Original wurde an die Expo ausgeliehen – und das Skelett verschwand am gleichen Tag.
Viel Beifall hingegen gab es für den Schweizer „Verein der Felsenputzer“, der sich für seine Feriengäste ins Zeug legte. Sie hatten ein Video veröffentlicht mit Vereinsmitgliedern, die Schweizer Berge von Schmutz und Vogelkot befreiten. Die Felsen-Putzaktion war am 1. April gestartet worden. Legendär war auch der April-Scherz der britischen BBC aus dem Jahr 1957: Gezeigt wurden Bilder von der Spaghetti-Ernte in der Schweiz. „Pasta-Bauern“ wurden vor Nudel-behängten Bäumen interviewt. Viele Zuschauer glaubten der für ihre Zuverlässigkeit bekannten BBC. Auch der Tiroler Tageszeitung gingen in den 90er-Jahren viele auf dem Leim: Im Oberland war geheimer Besuch angekündigt worden.
Die TT hatte angeblich Wind davon bekommen, dass Lady Diana von ihrem Winterdomizil am Arlberg einen Abstecher nach Landeck plante und das „Wienerwald“-Lokal besuchen wollte. Tags darauf, am 1. April, warteten Autogrammjäger allerdings vergeblich auf Lady Di. Einen weiteren Sensationsfund hatte die TT ebenfalls an einem 1. April gemeldet: Der Mann aus dem Eis war nicht allein am Hauslabjoch unterwegs gewesen – seine Katze hatte ihn begleitet. Überraschend war das mumifizierte Tier nur wenige Meter vom Ötzi-Auffindungsort gefunden worden.
Aprilscherze sind im Laufe der Jahre subtiler geworden und nicht nur für Leichtgläubige bestimmt. Sollten Sie heute in die April-Falle rasseln – nehmen Sie es mit Humor.
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