Frankreich

Strauss-Kahn will bei Sex-Partys „naiv“ gewesen sein

Er habe nicht gewusst, dass die Frauen Prostituierte waren, sagte er laut „Le Monde“ bei der Polizei. In Ne York wurde der Zivilprozess gegen den Ex-IWF-Chef eröffnet.

Paris/New York – Nach dem Vorwurf der Zuhälterei hat sich der frühere IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn einem Zeitungsbericht zufolge mit den Worten verteidigt, er sei bei seinen Sex-Partys „naiv“ gewesen. Strauss-Kahn blieb im Polizeiverhör laut Tageszeitung „Le Monde“ bei seiner Verteidigungsstrategie, derzufolge er nicht wusste, dass die Teilnehmerinnen bei den Sex-Partys Prostituierte waren: „Was mich betrifft, ich frage die Leute nicht über ihr Privatleben aus.“

Der 62-Jährige habe sich bei der Befragung im Polizeigewahrsam Ende Februar auch geweigert, die Namen der Teilnehmer der Sex-Partys in Paris, Brüssel oder Washington zu nennen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf die Verhörprotokolle weiter. Strauss-Kahn habe als Grund für seine Weigerung die fehlende Geheimhaltung bei den Ermittlungen genannt.

„Nie Verkehr unter Zwang“

Die Staatsanwaltschaft im nordfranzösischen Lille wirft Strauss-Kahn „organisierte Zuhälterei“ vor und eröffnete deshalb am Montagabend ein Ermittlungsverfahren. Der frühere Hoffnungsträger der französischen Sozialisten soll regelmäßig an Sex-Partys teilgenommen haben, die von Unternehmern bezahlt wurden.

Strauss-Kahn widersprach laut „Le Monde“ den Aussagen eines Callgirls, wonach sie bei einem der Abende im Dezember 2010 in Washington gegen ihren Willen zu Sex-Praktiken gezwungen worden sei. Es habe „nie Verkehr unter Zwang“ gegeben, versicherte der frühere IWF-Chef demnach. Strauss-Kahn sprach dem Bericht zufolge von „Lüge“ und „Fehler“. Die Frau, die sich belgischen Ermittlern gegenüber geäußert hatte, erstattete nie Anzeige. Auch eine weitere Frau beschrieb laut „Le Monde“ gewalttätige und „bestialische“ Praktiken.

Der 62-Jährige wies dem Bericht zufolge auch Aussagen einer Prostituierten zurück, denenzufolge er sich nach den Sex-Tarifen einer bestimmten Frau erkundigt habe. Dies wäre ein Hinweis darauf, dass der Ex-IWF-Chef doch wusste, dass es sich um Prostituierte handelte.

In einem ausführlichen SMS-Austausch mit einem Unternehmer hatte Strauss-Kahn in Bezug auf die Frauen von „Material“ gesprochen. Der Ex-IWF-Chef räumte dem Bericht zufolge im Verhör ein, dass diese Wortwahl „ungehörig und unangemessen“ gewesen sei. Strauss-Kahn fügte demnach zu seiner Entschuldigung hinzu, in einer SMS sei es eben praktischer, nur „ein Wort zu verwenden statt einer Liste von Vornamen“.

New Yorker Zimmermädchen zog vor Gericht

Wegen angeblicher Vergewaltigung eines New Yorker Zimmermädchens ist am Mittwoch in New York ein Zivilprozess gegen Ex-Währungsfondschef Dominique Strauss-Kahn eröffnet worden. Nafissatou Diallo wirft dem Franzosen vor, es am 14. Mai in einem Luxushotel am New Yorker Times Square überfallen und zum Oralsex gezwungen zu haben. Beide waren nicht selbst im Gerichtssaal.

Strauss-Kahn hatte die Vorwürfe stets bestritten. Noch am Tag des Vorfalls war der damalige Spitzenpolitiker vor dem Rückflug nach Paris aus dem Flugzeug geholt und in Untersuchungshaft gesperrt worden. Später stand er unter strengem Hausarrest mit Kameras, elektronischer Fußfessel und bewaffneten Wächter vor der Tür.

Wegen Zweifeln an Diallos Glaubwürdigkeit blieb dem 62-Jährigen ein Strafverfahren am Supreme Court in Manhattan erspart. Nach US-Recht kann die Frau aber dennoch in einem Zivilprozess gewinnen und eine Entschädigung zugesprochen bekommen. (APA/AFP/dpa)