Vorschlag aus der Kuschelpädagogik
Für den Innsbrucker Psychotherapeuten Heinz Zangerle brauchen Kinder keinen späteren Schulbeginn.
Innsbruck –Der Schulbeginn um neun Uhr. Ein Vorschlag, der besonders ausgeschlafen ist? Nein, wenn es nach dem Innsbrucker Erziehungswissenschafter und Psychotherapeuten Heinz Zangerle geht. Die Gesellschaft werde immer „wehleidiger“, erkennt Zangerle, der von Ansätzen aus der „Kuschelpädagogik“ spricht, bei denen Eltern und Kindern mit derartigen Vorschlägen geschmeichelt werde. „Gegen ein späteres Beginnen ist nichts einzuwenden“, sagt der Psychotherapeut. „Das täte aber auch den Erwachsenen gut, den Tag langsamer zu beginnen. Aber die gesamte Zeitstruktur ist mit jener der Eltern sehr verzahnt.“ Daher sei eine Veränderung des Schulbeginns kaum möglich. Zumal es dann auch mittags wieder Probleme geben könnte – und sich bei den Jugendlichen die abendliche Partykultur womöglich noch weiter nach hinten verschieben würde.
„Aus lernpsychologischer oder Leistungssicht leisten die Kinder durch einen späteren Beginn letztlich nicht mehr.“ Zudem sei die Leistungsfähigkeit individuell zu sehen. „Es gibt genauso viele Kinder, die schon um acht Uhr voll starten wollen.“ Im Berufsleben würde der Chef zudem auch keinen langsameren Start in den Tag ermöglichen.
Die Idee mit einem späteren Schulbeginn (zumeist gegen neun Uhr) wird in einigen europäischen Ländern derzeit umgesetzt. In England und Schweden dürfen die Kleinen schon traditionell etwas länger schlafen. Hier haben sich Alltag von Eltern und Betreuungseinrichtungen an diese Situation angepasst.
Grundlage für die Diskussion ist sehr oft auch eine Studie von Schlafforschern aus den USA, die sich mit rund 10.000 jugendlichen Schülern im US-Bundesstaat Kansas beschäftigt haben. Das Ergebnis: Der Schlafhaushalt der Heranwachsenden war bei späterem Start deutlich ausgeglichener. Die Schüler erklärten dabei – wenig überraschend –, sie seien tagsüber deutlich weniger schläfrig als früher. (mw)
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