Geringes Wirtschaftswachstum könnte Arbeitslosigkeit steigern
Das Institut für Wirtschaftsforschung erwartet für 2012 ein Plus von 0,4 Prozent, das IHS prognostiziert 0,8 Prozent Wachstum für 2012. Das geringe Wachstum werde sich in steigender Arbeitslosigkeit niederschlagen.
Wien - Wifo und IHS haben am Donnerstag ihre im Dezember erstellten Prognosen für das österreichische Wirtschaftswachstum 2012 bestätigt: Plus 0,4 Prozent erwartet das Wifo, plus 0,8 Prozent das IHS. Für 2013 sind beide Institute hingegen in der heutigen Frühjahrsprognose pessimistischer als im Dezember, beide habe ihre Vorhersage um 0,2 Prozentpunkte gekürzt, auf 1,4 Prozent das Wifo und auf 1,7 Prozent das IHS.
Schuldenkrise wirkt dämpfend
Dämpfend wirkt die Schuldenkrise, wobei einerseits die Sparmaßnahmen der Regierung die Wirtschaft bremsen, andererseits die Konsumenten aufgrund der relativ hohen Inflation weniger Geld ausgeben. Gestützt wird das Wachstum hingegen von Investitionen und Exporten. Steigende Rohölpreise verhindern einen raschen Rückgang der Inflation. Die Verbraucherpreise dürften daher heuer um 2,4 Prozent (Wifo) bzw. 2,2 Prozent (IHS) zulegen, 2013 soll der Anstieg dann laut beiden Instituten 2,0 Prozent betragen. Die EZB strebt einen Wert „knapp unter zwei Prozent“ an.
Die Wirtschaft des Euroraums wird 2012 um 0,2 Prozent schrumpfen, sind sich Wifo und IHS einig. Ursache ist vor allem die lahmende Binnennachfrage, verstärkt durch die Sparbemühungen der Mitgliedsländer. 2013 soll es dann wieder ein Wachstum von 1,3 Prozent (Wifo) bzw. 1,2 Prozent (IHS) geben. Die einzelnen Mitgliedsländer werden aber sehr unterschiedlich betroffen sein. Deutschland kann heuer immer noch mit 1 Prozent Wachstum rechnen, während in Italien, Spanien, Portugal und Griechenland ein „merklicher“ Rückgang zu erwarten sei, schreibt das IHS. Auch in Ungarn, Slowenien und Kroatien rechnet das IHS mit schrumpfender Wirtschaft. Auch das Wifo rechnet für Italien - wie für Ungarn - mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung 2012 und für Deutschland mit einem Plus - von 0,5 Prozent.
Die US-Wirtschaft kann sich hingegen schon wieder über Wachstumsraten von 2,5 Prozent (2012) bzw. 2,3 Prozent (2013) freuen, erwartet das IHS. Die OECD-Länder insgesamt dürften ebenfalls mit 1,6 Prozent bzw. 2 Prozent deutlich stärker wachsen als die Eurozone. Auch das Wifo sieht für die USA ein Wachstum von 2,0 Prozent (2012) und dann 2,3 Prozent (2013) voraus, die Weltwirtschaft soll insgesamt um 3,4 Prozent und dann 4,0 Prozent zulegen. Chinas Wirtschaft soll in beiden Jahren um 8,2 Prozent zulegen. Den Ölpreis (Brent) setzt das Wifo heuer und 2013 mit 120 Dollar je Fass an, das IHS mit 125 und 130 Dollar.
Arbeitslosigkeit wird steigen
Das nur geringe Wirtschaftswachstum wird sich in steigender Arbeitslosigkeit niederschlagen, erwarten Wifo und IHS. Die Arbeitslosenquote soll von 4,2 Prozent (2011) auf 4,6 Prozent 2012 (EU-Berechnung) bzw. von 6,7 Prozent auf 7,1 Prozent (nationale Berechnung) zulegen, so die Wifo-Prognose. 2013 soll es dann einen weiteren Anstieg auf 4,8 Prozent (EU) bzw. 7,5 Prozent geben. Auch das IHS rechnet heuer mit einem Anstieg der Arbeitslosenquote auf 4,5 Prozent bzw. 7,0 Prozent, für 2013 ist man aber optimistischer als am Wifo und geht von einer Stagnation der Quote aus. Die Zahl der unselbstständig aktiv Beschäftigten wird laut Wifo heuer um 0,8 Prozent und 2013 um 0,4 Prozent zulegen, das IHS erwartet für beide Jahre ein Plus von 0,7 Prozent.
Etwas optimistischer als im Herbst sind die beiden Institute in Bezug auf die realen Bruttoanlageinvestitionen. Das IHS rechnet nun für 2012 mit einem Zuwachs von 0,5 Prozent, vor drei Monaten hatte man noch einen leichten Rückgang vorhergesehen. 2013 soll es dann schon zu einem Anstieg um 1,7 Prozent kommen. Das Wifo geht nun 2012 von einer Steigerung um 1,1 Prozent aus, statt um 0,9 Prozent und 2013 soll es einen Zuwachs um 2,0 Prozent geben.
Der private Konsum soll laut Wifo heuer um 0,8 Prozent und 2013 um 0,9 Prozent steigen, das IHS sieht hier 0,7 Prozent und dann 1,1 Prozent Plus. Das würde immerhin eine Verbesserung im Vergleich zu 2011 (plus 0,6 Prozent) bedeuten. Das verfügbare Einkommen wird laut Wifo heuer um 0,7 Prozent und 2013 um 1,0 Prozent höher sein - 2011 hatte es nur ein Plus von 0,2 Prozent gegeben, 2009 und 2010 jeweils sogar Rückgänge. Die realen Nettolöhne sollen heuer nach zwei Jahren mit jeweils 0,8 Prozent Minus wieder um 0,6 Prozent im Plus liegen, aber schon 2013 wieder um 0,1 Prozent zurückgehen. Die Sparquote soll sich auf dem für Österreich nicht sehr hohen Niveau von 7,3 (2012) bzw. 7,4 Prozent (2013) einpendeln.
Wifo und IHS gehen davon aus, dass Österreich schon heuer die Maastricht-relevante Defizitquote von 3,0 Prozent erreicht (Wifo) bzw. mit 2,9 Prozent knapp unterschreitet (IHS). 2013 soll das Defizit dann auf 2,6 Prozent (Wifo) bzw. 2,1 Prozent (IHS) fallen. Der absehbare zusätzliche Geldbedarf für die Rettung der Banken sowie Unsicherheit bei veranschlagten Einnahmen wie der Abgeltungssteuer für Schwarzgeld in der Schweiz seien hier aber noch „Unsicherheitsfaktoren“, so das Wifo. Am heutigen Donnerstag hat die Statistik Austria allerdings bekanntgegeben, dass bereits 2011 das Maastricht-relevante Defizit mit 2,6 Prozent deutlich unter 3,0 Prozent gelegen sei. Das Wifo war noch von 3,3 Prozent ausgegangen. (APA)
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