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Küniglberg oder St. Marx: Vorschlag soll heute erfolgen

Küniglberg oder St. Marx - die ORF-Geschäftsführung muss heute, Donnerstag, ihre Vision für den künftigen ORF-Standort offenlegen. Die Standortfrage spaltet Interessenslager: Wiener SPÖ versus ORF-Zentralbetriebsrat.

Wien – Ein entsprechender Vorschlag der ORF-Chefetage sowie die Unterlagen zur Begründung müssen vor Mitternacht an die Arbeitsgruppe „Standort“ unter der Leitung des grünen ORF-Stifungsrats Wilfried Embacher übermittelt werden, so hat es das oberste ORF-Gremium am 1. März beschlossen. ORF-Kenner rechnen allerdings nicht damit, dass es eine endgültige Empfehlung von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz geben wird.

Schon der Kaufmännische Direktor des ORF, Richard Grasl, hat zuletzt angedeutet, dass es in der Standortfrage aus finanzieller Sicht „keinen klaren Sieger geben wird. Es ist eine Frage der Vision.“ Diese Frage wird letztendlich vom Stiftungsrat entschieden. Bis Ende Juni soll sie gefallen sein, so der Plan.

Die Standortentscheidung zieht sich nun schon seit mehreren Jahren hin. Vor drei Jahren wollte Wrabetz dem Stiftungsrat eigentlich die Übersiedelung vom Küniglberg nach St. Marx vorschlagen, da „die bisherige Prüfung möglicher Standorte ergibt, dass die Übersiedelung in den Mediencluster St. Marx bei der Südosttangente die wirtschaftlich besten Perspektiven bietet“, so Wrabetz im Jänner 2009. Dazu kam es damals nicht mehr, nachdem Wrabetz unter dem Argument der zunehmend schlechten Finanzlage des ORF unter heftigem Druck der SPÖ-ÖVP-Regierung gestanden hatte und die Frage des Standorts in den Hintergrund rückte.

Treibende Kraft hinter der Übersiedelung nach St. Marx war und ist die Wiener SPÖ, die mehr Leben in das als „größtes Medienzentrum Österreichs“ geplante Areal in Wien Landstraße bringen will. Bürgermeister Michael Häupl (S) hatte schon im Sommer 2010 betont, dass „es für die Entwicklung des Media Quarters eine sehr vernünftige Geschichte wäre, wenn der ORF dorthin übersiedeln würde“. Vizebürgermeisterin Renate Brauner erklärte damals, dass man dem ORF entgegenkommen wolle, etwa mit einem Public-Private-Partnership-Modell. Für den ORF sei der Wechsel nach St. Marx laut Häupl nicht zuletzt deswegen sinnvoll, weil sich technische Bereiche effizienter strukturieren ließen, so der Bürgermeister.

Eine Neustrukturierung - in Form einer Ausgliederung - der Technik fürchtet indes der ORF-Betriebsrat, der seit Jahren gegen einen neuen Standort opponiert. „Auch unabhängig von Zahlen, Daten und Fakten, gibt es aus Sicht der Belegschaft keinen Grund, die Standorte Funkhaus und Küniglberg zu verlassen“, so Zentralbetriebsratsobmann Gerhard Moser Ende Juli 2011 - einen Monat vor der Neuwahl des ORF-Generaldirektors. Rückendeckung hatte die Belegschaftsvertretung im Vorjahr von Hörfunkdirektor Karl Amon bekommen, der zumindest das Funkhaus dort belassen wollte, „wo es jetzt ist“.

Zum Verbleib am Küniglberg tendiert dem Vernehmen nach die ÖVP, öffentlich zu Wort gemeldet hat sich in dieser Frage bisher allerdings nur die untere politische Ebene. Auch das Roland-Rainer-Komitee befürwortet den Verbleib im jetzigen ORF-Zentrum. Für den Erhalt des ORF-Zentrums am Küniglberg könnten auch der Zustand und die nun notwendig gewordene Sanierung des Roland-Rainer-Baus sprechen, die nach verschiedenen kursierenden Zahlen zwischen 30 und 50 Millionen Euro kosten und die Übersiedelung an einen möglichen neuen Standort noch teurer machen soll.

Aktuelle Berechnungen soll Wrabetz der Arbeitsgruppe „Standort“ am Donnerstag bis Mitternacht übermitteln. Weiters soll ein Technikkonzept sowie ein Raum- und Funktionsplan für den künftigen ORF sowie die begleitenden Unterlagen des Beratungsunternehmens Accenture vorgelegt werden. Die Arbeitsgruppe Standort wird dann am 10. April darüber beraten. Die nächste darauffolgende Sitzung des Stiftungsrates findet am 10. Mai statt, allerdings ist dort noch mit keiner endgültigen Entscheidung zu rechnen. Diese ist bis Ende Juni angepeilt. (APA)