Der Mückenstich-Patient in der Ambulanz für Notfälle

Völlig überfüllte Ambulanzen werden für öffentliche Krankenhäuser zunehmend zum Problem. Niedergelassene Ärzte wollen mit Notordinationen zur Entlastung beitragen.

Von Michaela Spirk-Paulmichl

Innsbruck –Es ist ein massives Problem, das viele Ressourcen und Geld verschlingt: Über 1,7 Millionen Ambulanzbesuche zählte die Tilak zuletzt pro Jahr – ein Ansturm, der kaum noch bewältigt werden kann. Oft müssen die Patienten stundenlange Wartezeiten in Kauf nehmen. Dabei sind längst nicht alle auf eine akute Versorgung angewiesen: „Meiner Erfahrung nach braucht nur die Hälfte wirklich dringend Hilfe“, sagt Artur Wechselberger, Präsident der Ärztekammer Tirol. Zu den anderen gehören unter Umständen Menschen, die etwa spätabends mit Kopfweh eine Krankenhaus-Ambulanz aufsuchen und mit einem Brillenrezept wieder nach Hause gehen. Oder die sich wegen eines Mückenstichs Sorgen machen.

Die Ärztekammer wartet nun mit einem Vorschlag zur Entlastung der Klinik auf. „Niedergelassene Ärzte sollen zu Zeiten, zu denen Ordinationen meistens geschlossen sind, eine gemeinsame Einrichtung betreiben – als erste Ansprechpartner für Patienten“, erläutert Wechselberger. Überbrückt werden könnten damit jene Stunden, in denen Ärzte Hausbesuche machen, aber auch die Abende. Wechselberger; „In dieser Notordination wird entschieden, ob die Patienten eine dringende Behandlung brauchen, die nicht warten kann, oder ob sie an zuständige Fachärzte verwiesen werden können.“ So eine Einrichtung würde allerdings nur in einer Stadt mit großem Einzugsgebiet Sinn machen, ein Pilotprojekt könnte in Innsbruck starten. Dem jetzigen Vorstoß geht ein erster, beim Land Tirol eingereichter Vorschlag voraus, der bereits vier Jahre zurückliegt. Damals habe es aber keine Reaktionen gegeben, berichtet Wechselberger. Es geht um die Finanzierung des Projekts, in das Land, Stadt, Sozialversicherungsträger und Klinik, die sich Ressourcen spart, mit eingebunden werden sollen. Erst wenn das Vorhaben auf wirtschaftlichen Füßen steht, könne die Tiroler Ärztekammer in Frage kommende Mediziner ansprechen.

Die Tilak bemüht sich unterdessen, bei ungehaltenen Patienten, die über lange Wartezeiten an Ambulanzen klagen, um Verständnis zu werben: Am besten gelinge dies über Information, sagt Pressesprecher Johannes Schwamberger. „Wer weiß, dass gerade ein schwerer Notfall eingeliefert wurde, der dringend vorgezogen werden muss, ärgert sich weniger.“ Nicht in Frage komme es dagegen, dass Patienten weggeschickt werden. „Hier hat die Klinik einen eindeutigen Behandlungsauftrag.“ Schließlich könne nie ausgeschlossen werden, dass die starken Kopfschmerzen nicht doch auf einen Tumor zurückzuführen sind.