Gepflegte Wellness à la Philippine Welser
Schloss Ambras erwacht: Bevor die Porträtgalerie aufsperrt, erfährt man, was sich vor fast 500 Jahren in adeligen Badezimmern alles abgespielt hat.
Von Edith Schlocker
Innsbruck – Weil nicht standesgemäß, musste Erzherzog Ferdinand II. seine geliebte Philippine Welser im damals weit außerhalb von Innsbruck gelegenen Schloss Ambras „verstecken“. Um sie vielleicht nicht zuletzt deshalb umso mehr zu verwöhnen. Etwa mit einem Badezimmer, das für die damalige Zeit äußerst luxuriös ausgestattet war.
Und es ist ein ganz besonderes Juwel. Ist das Ambraser Bad neben einem im Vatikan doch das am besten erhaltene aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. In die eigentliche Badestube konnte der Ambras-Besucher bisher nur durch ein kleines Fenster schauen, es ab heute aber betreten. Durch einen Umkleide-und Ruheraum, dessen freskaler Schmuck weitaus züchtiger ausgefallen ist als die ebenfalls erhaltenen – und gezeigten – druckgrafischen Entwürfe.
Sind hier die Damen doch nackt, während die Herren neckische Höschen tragen. Philippine Welser dürfte allerdings mit einer Art Badeschürze und Badehaube bekleidet in ihre riesige Badewanne gestiegen sein. Meist sicher nicht allein, war das Baden in der damaligen Zeit doch ein Akt der Geselligkeit. Auf Schemeln oder den Stufen sitzend, wurde hier viel Zeit verbracht, wurde gegessen und getrunken. Das Bad war aber auch der Ort, wo von den Badern geschröpft, zur Ader gelassen und kleinere Operationen durchgeführt wurden. Die entsprechenden Instrumente und Dokumente dafür zeigt eine kleine Sonderausstellung nebenan. Zahnbrecher und chirurgische Instrumente genauso wie skurrile Alraunen, Herbarien und Apothekergefäße.
Zu sehen sind aber auch schön verzierte Utensilien zur Körperpflege wie Zahnstocher, Kämme aus Schildpatt oder Zungenspateln, um die Ablagerungen des Gehirns zu entfernen, wie man damals glaubte. Genauso wie exotische Rückenkratzer, Badeschuhe und Badehüte.
Neben dem eigentlichen Badezimmer gab es ein Dampfbad, dessen großer Ofen auch das Wasser für die Wanne wärmte. Reichte das nicht aus, wurden zusätzlich heiße Steine in das Wasser geschmissen.
Das Baden war in der Renaissance aber auch ein großes Thema in der Kunst. Nicht zuletzt als guter Vorwand dafür, nackte weibliche Körper in den damals doch recht prüden Zeiten darstellen zu können.
Die Ausstellung „Splash! Das Bad der Philippine Welser“ findet als Koproduktion mit dem Osterfestival statt. Am 1. April erwacht auch die Porträtgalerie der Habsburger wieder aus ihrem Winterschlaf. Die von Ferdinands Zeitgenossen, Kurfürst August von Sachsen, in Dresden zusammengetragenen Kunstkammerstücke sind – als absolutes Highlight der heurigen Saison – ab 14. Juni in Ambras zu sehen. Von Innsbruck aus am besten erreichbar mittels eines Kombitickets, das es neuerdings wieder in Postbussen gibt.
Kommentare