Haie sind sprichwörtlich auf Titelkurs

Ein Sieg in Graz trennt die Innsbrucker Haie heute (19.15 Uhr) vom Titel in der Eishockey-Nationalliga. Im Vorfeld wurde Wörtern wie „Meisterparty“ ein Riegel vorgeschoben, um sich nicht selbst zu versündigen.

Von Alex Gruber

Innsbruck –Nach den zwei Siegen (4:3 n. V. und 10:2-Schützenfest zuhause) hatte HCI-Coach Danny Naud vor allem einen Job bei seiner blendend aufgelegten Truppe zu erledigen: Beinahe gebetsmühlenartig erinnerte er seine Jungs daran, dass vor dem dritten und letzten Sieg in der Best-of-five-Serie eben noch nichts gewonnen sei. „It‘s not over until the fat lady sings“, wird dieser finale Umstand von Kapitän Stefan Pittl im Eishockey-Jargon süffisant umschrieben. Heißt, dass das Stück eben nicht zu Ende ist, bevor der Vorhang fällt. Erst nach dem dritten Sieg darf der Meisterhit in der HCI-Kabine ertönen.

„Die Jungs sind alle heiß auf den Titel und haben viel Selbstvertrauen. Ich muss sie warnen und immer wieder mit beiden Beinen auf den Boden bringen. Ganz egal, was bislang in dieser Saison passiert ist, ist das heutige Match das Wichtigste“, erinnert Naud an das Tagesgeschäft. Angst um sein Haupt, falls er nach der Schlusssirene mit etwaigen Flüssigkeiten übergossen wird, hat der 50-jährige Glatzkopf kaum: „Meine Haare trocknen ja schnell.“

HCI-Obmann Günther Kanschitz reist heute mit Gefolge im Kleinbus an, um beim ersten möglichen Titelgewinn der Innsbrucker Haie – 1994 gewann Vorgänger-Klub IEV die Nationalliga – live vor Ort zu sein. Und bis auf Benni Schennach (Unterarmbruch) stehen Naud auch alle Kräfte zur Verfügung. Die Ausgangsposition ist zum Zungeschnalzen.

Kampfansagen von ATSE Graz vernimmt man nach dem 0:2-Rückstand in der Serie indes kaum eine. Vielmehr scheint bei den Steirern – es wird auch von Zahlungsrückständen gemunkelt – die Luft etwas heraußen. „Festplatte löschen, regenerieren, nach vorne schauen, hinausgehen und einfach nur Spaß haben“, verordnete ATSE-Coach und Ex-Hai Martin Hohenberger seiner Truppe nach der 2:10-Pleite in Innsbruck. „Wir sind alle ziemlich angeschlagen“, gab er allerdings im selben Atemzug zu.

Es sieht (fast) alles danach aus, dass die Haie heute den dritten Sieg in Serie und Titel feiern. Es wäre auch für NHL-Veteran Rem Murray (39) sein überhaupt erster. Mit dieser Aussicht machen sich Glücksgefühle breit. Aber wie schon gesagt: zuerst die Arbeit, dann das Spiel. Oder wie Ex-Hai Herbie Hohenberger immer monierte: „Die Messe ist erst aus, wenn die Orgel aufgehört hat zu spielen.“