Panne auf Gasplattform

3,8 Tonnen Gaskondensat auf Meeresoberfläche

Umweltbelastung offenbar geringer als bisher angenommen. Die Fackel auf der Plattform soll gelöscht werden.

London – Der Energiekonzern Total sucht nach Wegen, um eine Fackel auf der Leck geschlagenen Nordsee-Gasplattform „Elgin“ zu löschen und damit die Gefahr einer Explosion zu begegnen. Zu den Szenarien gehörten der Abwurf von Wasser aus Hubschraubern, der Einsatz von Löschschiffen oder der Einsatz von Stickstoff, teilte das britische Energieministerium am Freitag mit.

Die Fackel befindet sich etwa 100 Meter entfernt von einem Leck auf der Plattform, aus dem seit Tagen giftiges und hochexplosives Gas strömt. Sie wurde bei der Evakuierung der „Elgin“ am Sonntag gezündet, um überschüssiges Gas abzufackeln. Gegenwärtig bläst der Wind die Gaswolke von der Fackel weg. Luftaufnahmen deuten dem Ministerium zufolge darauf hin, dass die Flamme kleiner geworden ist, womit sich das Problem von selbst lösen könnte.

Das ausströmende Gas belastet das Meerwasser offenbar weniger als bisher angenommen. Der Teppich aus sogenanntem Gaskondensat, der in einer Ausbreitung von 22 Kilometern Länge und 4,5 Kilometern Breite auf dem Wasser schwimmt, habe insgesamt ein Gewicht von etwa 3,8 Tonnen, teilte das britische Ministerium für Energie- und Klimaschutz am Freitag mit.

Gaskondensat entsteht, wenn in dem geförderten Erdgas aus der Tiefe noch weitere Kohlenwasserstoffe vorhanden sind, erklärte Jürgen Messner, Erdölgeologe an der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover. Unter den Druck- und Temperaturverhältnissen an der Meeresoberfläche sind diese Substanzen (unter anderem der Kohlenwasserstoff Pentan und ähnliche Verbindungen) flüssig.

Dieses Gemisch treibt dann als ölartiger, dünner Film auf der Meeresoberfläche „etwa wie leichtes Erdöl“, sagte der Wissenschafter. „Gaskondensate sind kein Abfallprodukt“, ergänzte Messner. Sie werden aus vielen Lagerstätten gezielt und in großer Menge gewonnen und weiterverarbeitet.

Wie das Leck geschlossen werden soll, blieb vorerst unklar. Eine internationale Expertengruppe habe noch keine Empfehlung vorgelegt, teilte die britische Regierung weiter mit. Diskutiert wurden unter anderem eine Entlastungsbohrung - was sechs Monate dauern würde - oder das Einspritzen von schwerem Schlamm - schneller, aber auch gefährlicher. Die britischen Behörden lobten die Reaktion des französischen Konzerns auf die Krise als „effektiv“.

Die „Elgin“ liegt rund 240 Kilometer vor der schottischen Küste, wo das Wasser weniger als 100 Meter tief ist. Der Ursprung des Gases liegt nach Angaben von Total in einer Gesteinsschicht in etwa vier Kilometern Tiefe unter dem Meeresgrund und damit einen Kilometer über der Lagerstätte, die eigentlich ausgebeutet wird. Dem Energieministerium zufolge wird inzwischen davon ausgegangen, dass die Leitungen durch extremen Druck und hohe Temperaturen durchlässig geworden sind. Das Leck selbst liegt auf der Plattform und damit über dem Wasserspiegel. Alle 238 Arbeiter wurden am Sonntag in Sicherheit gebracht. Experten zufolge drohen Total Kosten in Milliardenhöhe. (APA)