Frankreich

Sarkozy verglich Toulouse mit 9/11

Frankreichs Präsident sagte, die Folgen der Attentatsserie seien ein „Trauma“ für Frankreich, das ein wenig dem Trauma nach 9/11 entspreche.

Paris – Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sorgt mit Aussagen für Aufsehen, in denen er die Mordserie in Toulouse mit 9/11 verglich. Im Radiosender Europe 1 meinte er, diese sei ein „Trauma“ für Frankreich, das „ein wenig“ dem Trauma nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington entspreche, auch wenn er beides nicht vergleichen wolle.

Bei einer groß angelegten Razzia gegen Islamisten in Frankreich sind am Freitag 19 Verdächtige festgenommen worden. Der Einsatz stehe „nicht nur“ im Zusammenhang mit den Attentaten im Großraum Toulouse, wo der Islamist Mohamed Merah insgesamt sieben Menschen erschossen hatte, sagte Sarkozy. Bei der Razzia wurde auch der Anführer der bereits verbotenen Islamistengruppe Forsane Alizza, Mohammed Achamlane, festgenommen.

Mehrere Waffen sichergestellt

In der Früh starteten die Ermittler in mehreren französischen Städten Durchsuchungen, darunter in Toulouse, Nantes, im Großraum Paris, in Marseille, Nizza und Lyon. Beim Anführer von Forsane Alizza im westfranzösischen Nantes wurden drei Kalaschnikows, eine Pistole und eine Handgranate gefunden, wie es aus Polizeikreisen hieß. 17 Verdächtige wurden danach in Polizeigewahrsam genommen, wo sie vorerst zu den Vorwürfen verhört werden.

Die Auflösung der salafistischen Gruppierung Forsane Alizza war im Jänner von Innenminister Claude Guéant angekündigt und Ende Februar dann vollzogen worden. Laut Guéant bildete die Gruppe Islamisten „für den bewaffneten Kampf“ aus und strebte „die Herrschaft des Islam“ in Frankreich an. Auf ihrer Internetseite warb Forsane Alizza zuletzt offen um Unterstützer, „vor allem Soldaten“. Achamlane bestritt damals aber jegliche Gewaltabsichten der „Reiter des Stolzes“, wie die Gruppe übersetzt heißt. Er sprach von „Diffamierung“.

Die Razzia leiteten nun Ermittler des Inlandsgeheimdienstes DCRI und der Anti-Terror-Polizei in Paris mit Unterstützung der Polizei-Eliteeinheit Raid. Sie handelten auf Anforderung der Justiz: Seit Anfang März läuft nach Angaben aus Justizkreisen bei Pariser Anti-Terror-Richtern ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Vorbereitung von Terrorakten.

Die Razzia am Freitag hing laut Polizei aber „nicht direkt“ mit den Ermittlungen zum mutmaßlichen Attentäter Mohamed Merah zusammen. Sarkozy hatte nach der Attentatsserie von Toulouse die Sicherheitskräfte aufgefordert, die Gefährlichkeit von Verdächtigen zu überprüfen, die für ihre Sympathien für islamistische Ideen bekannt sind. Nach Angaben eines hochrangigen Polizeivertreters sind in Frankreich etwa hundert Islamisten im Visier der Sicherheitsbehörden. (APA)