Natur

Ärzte wieder aufs Land locken

Innsbruck – Zuerst starben die Greisler aus, die Postämter machen auch dicht, sogar in den Kirchen fehlt es an Pfarrern – und eine weitere S...

Innsbruck –Zuerst starben die Greisler aus, die Postämter machen auch dicht, sogar in den Kirchen fehlt es an Pfarrern – und eine weitere Säule der Nahversorgung im ländlichen Bereich droht in den kommenden Jahren wegzubrechen: die Landärzte. Ex-Chirurgiechef Raimund Margreiter diskutierte am Donnerstagabend in Innsbruck mit Ärztekammerpräsident Artur Wechselberger, TGKK-Direktor Arno Melitopulos, Max Kaplan von der Bayrischen Ärztekammer und Christoph Brezinka über ein „Land ohne Ärztinnen“. Die Runde suchte nach kreativen Lösungsansätzen. Gefunden hat sie diese etwa in Frankreich. „Dort bekommen Studenten 1200 Euro pro Monat Stipendium, wenn sie sich verpflichten, später als Arzt in einer unterentwickelten Region tätig zu sein“, berichtete Brezinka. Auch in Kanada gibt es ein spezielles Anreizsystem – abhängig vom Breitengrad. Je näher ein Arzt in Richtung Alaska arbeitet, desto mehr Zuschüsse erhält er. „Junge Ärzte muss man sozusagen verführen, um ihnen die Angst vor einer Niederlassung zu nehmen“, sagte Max Kaplan über Ansätze in Bayern. Gemeinschaftspraxen seien eine Lösung.

Melitopulos hält dem entgegen, dass es so ein System schon in Tirol gebe: „Aber die konkrete Ausprägung des Gesetzes wird dem nicht gerecht. Ärzten steht es nicht frei, sich einfach so zusammenzuschließen“, sagt er.

Ärztekammerpräsident Wechselberger ließ mit interessanten Zahlen aufhorchen. In Tirol stehen für fast 500.000 Menschen am Land etwa 550 niedergelassene Ärzte zur Verfügung, 214.000 Menschen in der Stadt können sich bei über 1200 Ärzten behandeln lassen. „Wir müssen in der Ausbildung ansetzen, den Ärzten am Land bei der Ordinationsraumbeschaffung helfen und außerdem die Hausapotheken erhalten“, sagte der Ärztekammerpräsident. (chris)