Öffis nur langsam auf der Überholspur
Tirol stöhnt unter den Spritpreisen. Die Schmerzgrenze, um auf das Auto zu verzichten, scheint aber noch nicht erreicht.
Von Marco Witting
Innsbruck –Nur volltanken – nicht gleich die ganze Tankstelle kaufen. Der Blick auf die Anzeige an der Tankstelle verrät dieser Tage nichts Gutes. Die Spritpreise steigen, die Wut der Autofahrer auch – zumindest am Stammtisch. Doch ein Wechsel auf Öffis oder das Rad kommt noch immer für viele Tiroler nicht in Frage. Und auch die Mitfahrbörsen tun sich schwer.
Denn auch wenn viele derzeit über die Spritpreise jammern – die Schmerzgrenze scheint für die Tiroler noch nicht erreicht. Das erkennt auch Ekkehard Allinger-Csollich, Mobilitätskoordinator des Landes. „Der Leidensdruck ist noch zu gering“, sagt er und weist auf ein – für Autofahrer ganz typisches – Phänomen hin. „Bei steigenden Ölpreisen ist der Wunsch umzusteigen nicht so groß, weil alle hoffen, dass die Preise wieder runtergehen.“ Steigt aber die Mineralölsteuer, dann sei das sehr wohl ein Grund für die Bürger umzusteigen. Warum? Die Bürger glaubten dann, dass diese Maßnahme von Dauer sein werde. Und: die Menschen hätten sich in den vergangenen Jahren an niedrigere Ölpreise gewöhnt. Ein derartiges Preisniveau habe es – inflationsbereinigt – auch schon in den 80er-Jahren gegeben.
Treffen würden die hohen Treibstoffkosten speziell die Pendler, die aus Seitentälern oft keine anderen Möglichkeiten haben. Menschen in den Städten tun sich da wesentlich leichter und können, gerade jetzt im Frühling, mit dem Rad ins Büro.
Bei den Innsbrucker Verkehrsbetrieben (IVB) lösen höhere Spritpreise derweil gemischte Gefühle aus. IVB-Chef Martin Baltes: „Wir spüren es natürlich bei den Kosten. Wir haben im vergangenen Jahr 500.000 Euro mehr an Diesel ausgegeben, aber die Fahrpreise nur unterhalb des Verbraucherpreisindizes erhöht. Andererseits bemerken wir natürlich auch Fahrgastzuwächse.“ So seien etwa nach der Linienverlängerung rund um das Einkaufszentrum dez derzeit „Sprünge von 30 Prozent“ zu verzeichnen. Teilweise auch, weil die Menschen auf das Auto verzichten wollen. Aber nicht nur. Bei den ÖBB weist man auf wachsende Fahrgastzahlen hin. Zahlreiche Faktoren seien dafür verantwortlich. Neben dem Ausbau der Infrastruktur spielt auch hier der Ölpreis den Bundesbahnen in die Karten. Zum Zug müssen aber speziell in den Seitentälern immer noch viele Menschen mit dem Auto fahren.
Untersuchungen über die Gründe zum Umstieg auf die Öffis fehlen derzeit aber völlig.
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