Das Glück kommt, wenn die Angst geht
Innsbruck – Treue Osterfestival-Besucher dürften Helena Waldmann noch in Erinnerung haben. 2010 war die Berliner Choreographin zuletzt im Co...
Innsbruck –Treue Osterfestival-Besucher dürften Helena Waldmann noch in Erinnerung haben. 2010 war die Berliner Choreographin zuletzt im Congress zu Gast – mit dem Tanzstück „BurkaBondage“, das gleichermaßen betörte und verstörte. Mit schnöder Gefälligkeit hat Waldmann nämlich nichts am Hut, mit ihren Stücken will sie aufwühlen und aufregen, aber auch das Herz zum Tanzen, die Seele zum Hopsen bringen.
Gelungen ist ihr das am Sonntagabend mit dem wunderbaren „GlückStück“, dessen österreichische Erstaufführung leider nur eine überschaubare Zahl an Zuschauern in den Congress locken wollte. Experimenteller Tanz ist in Innsbruck offenbar kein Straßenfeger. Dabei fegen André Soares, Moo Kim, Tobias M. Draeger und Brit Rotemund mit einer derart erfrischenden Körperlichkeit über die Bühne, dass es eine Freude ist. Eine glitzernde Mini-Manege wird zum Ort des Geschehens, zum Quell des Glücks, dem das Quartett nachspüren will. Und dabei oft den Boden unter den Füßen verliert, um scheinbar schwerelos nach dem wundervollen Moment der Unbeschwertheit zu greifen. „Das Glück kommt in zehn Minuten“ steht da plötzlich in großen Lettern geschrieben. Doch noch bevor man sich darüber freuen kann, erfährt man schon, dass der Tod offenbar auch nicht allzu fern ist. Schwarz und weiß, Glück und Unglück liegen eben nah beieinander, ja sie bedingen einander sogar. Wo nie Tränen flossen, sprießt kein Lächeln, wo nie gewütet wurde, wachsen keine Wunder.
Und so pendelt Waldmanns Kleeblatt-Truppe zwischen Freud und Leid und touchiert dabei auch die Grenzen der Verrücktheit. Denn wahnsinnig glücklich kann nur der sein, der auch ein bisschen irre ist. Im positiven Sinne natürlich. Untermalt wird die knapp einstündige Performance von einem mitreißenden Soundtrack, in dem Elvis genauso Platz hat wie Charleston-Klänge, jazzige Zwischenspiele und Stepp-Stopps. Beim Happy End wird gelächelt. Glücklicherweise. (fach)
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