Standort Tirol

Zu teurer Sprit: Bodenseer für Boykott der Ölmultis

Ungewöhnlicher Vorstoß des Tiroler Wirtschaftskammerpräsidenten: Durch Boykottaufruf von Shell und Total hofft er auf Benzinpreissenkung.

Von Peter Nindler

Innsbruck –Jürgen Bodenseer ist bekannt für unkonventionelle Schritte. Der jüngste des Tiroler VP-Wirtschaftsbundchefs und Wirtschaftskammerpräsidenten dürfte für Aufsehen sorgen. Denn angesichts der explodierenden Bezinpreise zu den Osterferien unterstützt er eine Aktion mit Massenmails, die zum Boykott der zwei großen Ölmultis, Total und Shell, aufruft.

„Ja, ich stehe zu dieser Aktion“, teilt Bodenseer mit. Die einzige Chance, die Preise purzeln zu sehen, ist, die Ölgesellschaften da zu schlagen, wo es ihnen wehtut: bei ihrem Portemonnaie“, heißt es in dem ursprünglichen Mail. Der Aufruf soll europaweit in einer Art Schneeballsystem von den Empfängern an zehn weitere Personen gemailt werden. Der Aufruf: „Für den Rest des Jahres von den beiden größten Ölgesellschaften Total und Shell kein Benzin mehr kaufen“. Die Initiatoren gehen davon aus, dass diese dann gezwungen sind, die Preise zu senken.

Bodenseer steht zu dieser Aktion und hat das Mail weitergesendet. „Ja, einen Versuch ist es wert, es könnte tatsächlich funktionieren“, schreibt der Wirtschaftskammerpräsident. Gegenüber der TT präzisiert Bodenseer seine Kritik: „Es kann nicht sein, dass die Ölmultis gerade zu Ostern die Schwachstellen ausnutzen. Viele Leute möchten auf Urlaub fahren oder planen Ausflüge.“ Und gerade dann würden die Preise hinaufgesetzt. „Die Konsumenten dürfen nämlich nicht zum Spielball der Ölmultis werden.“ Generell müsse etwas getan werden, um die Benzinpreise zu senken.

Für die Grünen ist Bodenseers Preiskrieg mit den größten Playern am Erdölmarkt, um billigeres Benzin zu erzwingen, ein untauglicher Versuch. „Da können wir nur lachen und erinnern den Wirtschaftskammerpräsidenten daran, dass der Fasching vorbei ist. Machen Sie ernsthaftere Vorschläge“, betonen Angelika Hörmann von der Grünen Wirtschaft und Klubobmann LA Georg Willi. Erdöl wird wegen der Verknappung immer teurer. „Lieber früher als später brauchen wir Alternativen zur heutigen Mobilität, wie gute Bahn- und Busverbindungen, Mitfahrbörsen, Car-Sharing und vieles mehr“, schlägt Willi vor, der die Frage eines Preiskrieges als Gedankenspielerei bezeichnet. „Dafür wollen wir keine Zeit verschwenden.“