Der Rauch ging auf, der Pokal k. o.

Der Pokal hat die erste Meisterparty bei den Innsbrucker Haien nach dem Titelgewinn in der Eishockey-Nationalliga nicht überlebt. Im heiteren Zigarrendunst richtet sich der Blick auch schon in die Zukunft.

Von Alex Gruber

Innsbruck –Nach sechs Play-off-Siegen in Serie (drei davon im Halbfinale gegen Dornbirn) und dem finalen 5:2-Sieg im dritten Finalmatch bei ATSE Graz war der Meistertitel für die Haie in der dritten Nationalliga-Saison unter Dach und Fach. Klar, dass danach bei der Kabinenparty alle Dämme brachen.

P wie Party und Pokal: Aaron Fox tanzte nackt im Tiefschutz, Rem Murray freute sich mit 39 Jahren über den ersten Titel in seiner Laufbahn und wohl zum Karriereende wie ein kleines Kind. Nach dem Adrenalinkick in der Finalserie spielten die Hormone natürlich auch im Anschluss verrückt. Als Meister darf man es aber ordentlich krachen lassen. Der eine oder andere Hai wie Alex Höller hatte gestern bei Teil zwei der Feierlichkeiten keine Stimme mehr, auch Coach Danny Naud und Obmann Günther Hanschitz kratzte es vom Zigarrenrauch noch kräftig im Hals. „Jetzt weiß ich, warum ich nicht rauche“, lachte Naud, nachdem Anspannung und Druck abgefallen waren, gestern übers ganze Gesicht. Die Geschichte mit dem kaputt gegangenen Pokal, der nicht nur einmal auf den Kabinen- und später Busboden krachte, erheiterte ihn noch mehr: „Ein Pokal ohne Beule ist kein richtiger Pokal. Aber ganz zerstört ist auch nicht so gut.“ Weil nicht alle Einzelteile (Naud: „Zwei Stücke liegen bei mir im Büro“) aufzufinden waren, behalfen sich die beiden Captains Patti Mössmer und Stefan Pittl gestern beim Fototermin mit einem „Ersatzteil“ vom Arlbergcup. Den Titel tragen die beiden Eigengewächse aber ohnehin stolz im Herzen: „Sensationell. Die Gefühlslage ist ein Wahnsinn“, strahlte Mössmer und Pittl ergänzte: „Es gibt nichts Schöneres, als so einen Erfolg mit dem Heimatverein zu feiern.“ Am Mittwoch (18.30 Uhr) lädt der Klub in der Tiwag-Arena Fans und Freunde zum Freibier.

T wie Trainer: „Veni, vidi, vici.“ Danny Naud kam, sah und siegte gleich in seiner ersten Saison als Haie-Coach. „Wir waren ein Superteam, jeder hat seinen Teil dazu beigetragen“, erinnerte er an starkes Teamwork – im Play-off fiel ja u. a. Murray drei Partien gesperrt aus. Die (erfahrenen) Tiroler Eigengewächse wie Marc Schönberger, Mössmer, Pittl, Flo Pedevilla und Co. steckten alles weg. Zudem lief auch Goalie Markus Seidl, zu Beginn der Saison und Halbfinalserie gegen Dornbirn ein Risikoposten, immer mehr zur Hochform auf. „Die ganze Mannschaft hat gut verteidigt“, erinnert Naud, dass neben der glänzenden Offensive auch die Defensive top war. Zurück zu seiner Person: Ob er an Bord bleibt („Das bespreche ich mit Günther“), hängt auch von der Liga ab. Bei einem etwaigen Verbleib in der Nationalliga würde der 50-jährige Kanadier eine einseitige Option zum Ausstieg besitzen.

Z wie Zukunft: Die Gretchenfrage nach dem Titel. „Ich kann nichts ausschließen. Weder ein weiteres Jahr in der Nationalliga, einen Wechsel nach Italien oder einen Aufstieg in die Erste Bank Eishockeyliga“, muss Hanschitz abwarten, was in den nächsten 14 Tagen in Verbands- und Ligakreisen weiter passiert. Die Mannschaft hat mit dem Titel ein Zeichen gesetzt. „Wir sind Meister, haben den Ball ins Rollen gebracht und uns für höhere Aufgaben empfohlen“, sprachen Mössmer und Pittl unisono. Der Klub habe sich laut Hanschitz nach dem freiwilligen Bundesliga-Rückzug (2009 drückten die Haie 500.000 Euro an Schulden) selbstständig in Liga zwei wieder konsolidiert: „Die Sportstadt Innsbruck ist gefragt“, hängt die Zukunft nicht nur an der sportlichen Klasse, sondern auch an der wirtschaftlichen Kraft.