Lauter Ruf nach mehr Gassi-Stationen

Im Frühling taut der alte Streit zwischen Bauern und Hundebesitzern auf: Schuld daran ist der Hundekot.

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Von Renate Schnegg

Imst –Frühlingszeit, die Vögel zwitschern, die ersten Blumen strecken ihre Köpfchen aus der Erde. Und mit ihnen kommen auch die Hinterlassenschaften aus den Wintermonaten ans Tageslicht. Alle Jahre wieder ist ein Thema ganz besonders präsent: die Hundstrümmerln auf den Wiesen. Diesmal bringt es die Imster Gemeinderätin Anita Mayr zur Sprache, nicht nur, weil sie selbst Bäuerin ist, sondern weil sie bereits von zahlreichen Imstern darauf angesprochen wurde. „Besonders schlimm ist es im Bereich Piger, entlang des Wiesenwegs, aber auch im Bereich Linserhof“, sagt Mayr.

Es sind zwar im Gemeindegebiet so genannte Gassi-Stationen mit Sackerln für die Gackerln aufgestellt, nach Mayrs Ansicht aber zu wenige und nicht immer gut platziert, ebenso die Müllkübel. Wofür ihr absolut das Verständnis fehlt: „Dass einige die Hinterlassenschaften ihres Hundes zwar ins Sackerl räumen, das dann aber auf die Wiese werfen! Da braucht man echt einen gesunden Appetit beim Grasrechen.“ Spreche man die betreffenden Hundebesitzer darauf an, bekomme man nur böse Antworten. Mayr sorgt sich um ihre Wieder­käuer, denn „Hundekot ist kein Dünger. Die Tiere fressen­ das verunreinigte Futter nicht mehr und sie können krank werden.“

Peter Wassermann, Präsident der österreichischen Tierärztekammer Landesstelle Tirol, sucht den goldenen Mittelweg und sieht eine Symbiose zwischen Bauern und Nichtbauern: „Wir leben in einem wunderschönen Land, dessen Kulturlandschaft von den Bauern gepflegt wird und zur Erholung aller dient, auch der Hundebesitzer.“ Letzterer sei ja nicht untätig, verdiene sein Geld hart und zahle Steuern, die zum Teil wieder in bäuerliche Förderungen fließen, versucht Wassermann klarzumachen, dass sich beide Parteien gegenseitig brauchen. Er appelliert an die Eigenverantwortung der Hundebesitzer, aber auch an die Gemeinden und Agrargemeinschaften, „dass vermehrt und flächendeckend Gassi-Stationen aufgestellt werden“.

Was im Streit zwischen Bauern und Hundebesitzern immer wieder auftaucht, ist das Thema Krankheitsübertragung. Vor allem die Neosporose, übertragen durch den Erreger Neospora caninum, wird für Fehlgeburten beim Rind verantwortlich gemacht. Der Hund ist in Europa der Einzige, der Neospora caninum ausscheidet, und er ist der Endwirt des Einzellers, erkrankt aber nicht daran. Das Rind ist ein Nebenwirt dieses Erregers, erkrankt auch nicht daran, infiziert das Kalb aber über die Gebärmutter, ein Kreislauf entsteht. „Es gibt inzwischen zig wissenschaftliche Studien, die eindeutig belegen, dass zum größten Teil der Hofhund des Bauern der Krankheitsüberträger ist“, gibt Wassermann zu bedenken.

Therapie gebe es bislang keine, weder beim Hund noch beim Rind. Einzige Möglichkeit der Bekämpfung: Das Immunsystem der Tiere stärken, damit der Erreger weniger Chancen hat, sich breitzumachen, sowie Hygienemaßnahmen, etwa den Hofhund von der Nachgeburt der Kuh fernzuhalten. „Wenn innerhalb von acht Wochen über 15 Prozent der tragenden Rinder verkalben, sollte man die Tiere auf Neospora caninum untersuchen lassen“, rät der Tiroler Tierarztpräsident all jenen Bauern, die bei ihren Kühen Probleme mit Fehlgeburten haben. Und er ergänzt, „dass es viele, viele Ursachen für das Verkalben gibt. Da ist nicht nur der Hund alleine schuld. In Wahrheit ist die Neosporose zurzeit im ganzen Land kein Problem.“


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