Anruf aus dem Jenseits

Zu Ostern gedenken Christen der Auferstehung Jesu. Im Christentum glaubt man an ein Leben nach dem Tod. Auch das britische Medium Paul Meek behauptet, mit Verstorbenen kommunizieren zu können und ist überzeugt: Das Leben ist nach dem Sterben noch lange nicht vorbei.

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Herr Meek, Sie arbeiten bereits seit 30 Jahren als Medium und sagen, dass Sie Kontakt zu Verstorbenen aufnehmen können. Wann haben Sie Ihr Talent dafür entdeckt?

Paul Meek: Ich sah bereits als Kind Dinge voraus. Das war für mich ganz natürlich und überhaupt nicht außergewöhnlich. Aber ich bin dadurch oft angeeckt. Zum Beispiel sagte ich meiner Mutter als Siebenjähriger, dass unsere schwangere Nachbarin einen Jungen bekommt, was auch zutraf. Vorher nahm meine Mutter beim Stricken der Kindersachen immer weiße Wolle. Sobald sie merkte, dass meine Aussagen treffsicher waren, hat sie gleich Blau für einen Jungen oder Rosa für ein Mädchen genommen. Eines Tages sagte ich ihr, dass sie nicht weiterstricken brauche, weil das Baby tot sei. Meine Mutter war sehr verärgert und schickte mich in mein Zimmer. Zwei Tage später kam die Frau ins Krankenhaus und hatte eine Fehlgeburt.

Wie sah dann Ihr weiterer Lebensweg aus?

Meek: In England ist die Medialität zu Hause und die Mehrzahl der Menschen haben Kenntnis über dieses Thema. Durch einen so genannten Zufall lernte ich eine ältere Dame kennen. Diese Dame hatte einen ausgezeichneten Ruf als Jenseits-Medium und sie hat sofort meine Fähigkeiten erkannt. Sie hat mich zu einer medialen Trainingsgruppe eingeladen und in dieser Gruppe habe ich die Grundkenntnisse der Medialität erfahren.

Hat Ihnen die Gabe Angst gemacht?

Meek: Vom Grundsatz her hatte ich keine Angst, denn für mich war das alles ganz normal und überhaupt nicht außergewöhnlich, auch als ich noch ein Kind war. Was mich jedoch nachdenklich gemacht hat, war die Verantwortung meinen Mitmenschen gegenüber, weil ein Medium oft mit trauernden und teilweise verletzten Menschen immer liebevoll und tröstlich umgehen muss.

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Wie gingen Ihre Freunde und Familie mit Ihren medialen Fähigkeiten um?

Meek: In jungen Jahren fühlte ich mich etwas ausgegrenzt und habe dadurch versucht, zurückhaltend zu sein mit meinen medialen Erfahrungen. Aber im Laufe der Zeit wurde ich von meinem Umfeld akzeptiert und später sogar bewundert.

Wie funktioniert die Arbeit als Medium?

Meek: Ein Medium kann keine Verstorbenen auf Kommando holen, sie müssen bereit sein, sich freiwillig bei einem Medium zu melden. Wir müssen bedenken, dass die Verstorbenen keinen physischen Körper mehr haben und dadurch natürlich auch keine Stimmbänder besitzen. Der Kontakt wird vom Geist zum Geist und durch den Geist hergestellt. Ich empfange innere Bilder, zusammen mit inneren Eindrücken durch feines Spüren und Fühlen kommt der mediale Kontakt zustande. Es kann sein, dass zusätzlich starke Gedanken durch meinen Kopf fließen und es ist meine Aufgabe, diese Gedanken mit meinen gesamten Wahrnehmungen in Botschaften weiterzugeben.

Wie sehen die medialen Sitzungen aus und wie lange dauern sie?

Meek: In einem medialen Kontakt, anlässlich eines medialen Abends, spreche ich verschiedene Leute aus dem Publikum ganz spontan an und schildere ihnen die Erkennungszeichen der Verstorbenen, wie: „Ihr Vater hieß Johann und ist an einem Herzinfarkt gestorben, er hat gerne Musik gemacht und ist im Monat März gestorben.“ Oder: „Sie haben eine Schwester im Jenseits, die als Schulmädchen verunglückt ist.“ Dann erfolgen persönliche Botschaften und Mitteilungen. Ähnlich ist der Ablauf in einer privaten Sitzung. Eine private Sitzung dauert etwa eine Stunde, ein medialer Abend zwei Stunden.

Sagen die Toten nur Gutes oder auch Schlechtes?

Meek: Weil die Verstorbenen sich aus Liebe melden, werden sie immer versuchen, ihren Hinterbliebenen Trost zu spenden. Es ist nicht in ihrem Sinne, negative Dinge zu berichten. Es mag sein, dass jemand aus der geistigen Welt versucht, sich zu versöhnen oder der Verstorbene möchte sich für irgendetwas entschuldigen.

Hören Sie die Verstorbenen ununterbrochen?

Meek: Nein, sonst würde ich verrückt werden, aber ich habe gelernt, mich medial zu öffnen und zu schließen. Auch ich möchte wie ein ganz normaler Mensch leben.

Kann man sich ein Leben nach dem Tod bildlich oder gefühlsmäßig vorstellen?

Meek: Stellen Sie sich vor, dass Sie sich auf einer Ebene in der geistigen Welt mit Gleichgesinnten befinden, wo nur Liebe und Harmonie herrschen. Hier auf der Erde müssen wir im täglichen Leben mit verschiedenen Energien umgehen, ob sie uns passen oder nicht. Ständig müssen wir uns anpassen und teilweise nachgeben, dieser menschliche Prozess ist Teil unseres seelischen Wachstums, der uns manchmal sehr viel Kraft kostet. In der geistigen Heimat können wir alles frei gestalten, weil es dort keinen Zwang gibt und Gleiches zieht Gleiches an, deswegen kommt es uns vor, als seien wir im Paradies. Unser physischer Körper stirbt, aber das wahre „Ich“ (Geist und Seele) lebt weiter. Der Tod ist nur ein Übergang von einer Dimension zur anderen.

Wie stehen Sie zu Kritikern?

Meek: Jeder Mensch darf seine Meinung haben, denn wir leben in einer Demokratie. Die meisten Kritiker aber haben nie einen medialen Abend besucht oder waren nie in einer medialen Sitzung. Ich kann nicht sagen, das indische Essen schmeckt mir nicht, wenn ich nie in einem solchen Restaurant war. Weil ich über 30 Jahre in der Öffentlichkeit in vielen Länder gearbeitet habe und auch Gast in Fernsehsendungen war, muss ich auch mit Kritik umgehen.

Das Interview führte Miriam Hotter


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