Gestrichene Jagdnovelle irritiert

Die zurückgezogene Novelle des Jagdgesetzes hinterlässt Ratlosigkeit. Bundesforste und Regierungspartner orten Handlungsbedarf.

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Von Mario Zenhäusern

Innsbruck –Derzeit reden in Tirol Jäger, Förster und Grundbesitzer gleichermaßen einem Interessenausgleich im Tiroler Wald das Wort. Die aufgezeigten Wege dorthin freilich sind unterschiedlich. Vor allem deshalb, weil letztlich jede Gruppe für sich mehr Mitspracherecht beansprucht.

Die zuständige Abteilung des Landes hat deshalb eine Novelle des Jagdgesetzes ausgearbeitet. Ziel waren eine Bürokratievereinfachung bei der Abschussplanung, die Schaffung wirksamer Anreize zur Abschusserfüllung, die Stärkung sowohl der Eigenverantwortung der Jäger als auch der Eigentümer­interessen und die Initiierung notwendiger Änderungen bei der Fütterung. Nach Protesten von nahezu allen Seiten hat LHStv. Anton Steixner (ÖVP) diese Novelle aber, wie berichtet, zurückgezogen: „Bevor wir eine lauwarme Novelle vorlegen, machen wir lieber überhaupt nichts. Man kann mit dem bestehenden Gesetz auch alles machen.“

Das sehen nicht alle so. Die Österreichischen Bundesforste (ÖBf) als größter Grundbesitzer in Tirol etwa sehen dringenden Handlungsbedarf beim Jagdgesetz. „Die aktuelle Regelung ist auch angesichts eines so lawinenreichen Winters besonders reformbedürftig“, erklärte ÖBf-Sprecher Bernhard Schragl gestern der TT gegenüber. Außerdem fordert er, dass künftig primär der Waldverantwortliche, also der Grundeigentümer, über den Wildstand entscheidet. Schragl begründet diese Forderung damit, dass „Wildstände nicht allein aus jagdlicher Sicht betrachtet werden dürfen, sondern als Teil einer gesamt-ökologischen Betrachtung des Waldes und seiner Funktionen“.

Steixner hätte diese Forderung in Ansätzen bereits berücksichtigt. „Aber die Bundesforste selbst haben die Novelle scharf kritisiert“, schüttelt er jetzt den Kopf, „denen ist das alles zu wenig weit gegangen.“

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Den Waidmännern wiederum dürfte alles viel zu weit gegangen sein. Steixner reagierte auf die Absage der Grünröcke mit einem Schulterzucken: „Die werden früher oder später schon noch draufkommen, dass eine Novelle notwendig wäre.“

Steixners Regierungskollege LHStv. Hannes Gschwentner (SPÖ) sieht durch die zurückgezogene Novelle ebenfalls nur Nachteile: „Dem Naturschutz wurde damit ein Bärendienst geleistet“, stellt er klar. Ein zu hoher Wildbestand führe zu Problemen, die das gesamte Ökosystem Wald gefährden. Gschwentner plädiert für eine Begrenzung des Wildbestands und die Miteinbeziehung des Vegetationszustands, wie sie in der Jagdnovelle vorgesehen sei.

Vom Tiroler Jägerverband wünscht er sich ein Einlenken: „Nur in einem gesunden Ökosystem kann auch gesundes Wild leben.“ Von LH Günther Platter hingegen ist er eigenen Angaben zufolge enttäuscht. Der hatte den Rückzug der Novelle am Samstag als „sinnvolle Entscheidung“ bezeichnet, was dem Tiroler Naturschutzreferenten Gschwentner sauer aufstößt: „Ich hätte erwartet, dass der Landeshauptmann diese Thematik nicht nur durch die Waidmannsbrille betrachtet.“


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