Die heilige Liebe und deren Tragödie

Sie sind das berühmteste Liebespaar aller Zeiten: Romeo und Julia. Das Shakespeare-Stück feiert am Sonntag im Landestheater Premiere.

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Von Alexandra Plank

Innsbruck –Oh einz‘ge Liebe, einz‘gem Hass entsprungen, Dein Lied erkenn ich erst, seit ich‘s gesungen; Oh Unheilsmelodie, die mich verführt. Und Liebe zu dem ärgsten Feind gebiert.­ Diese Worte spricht Julia in William Shakespeares berühmter Tragödie. Romeo und Julia lieben sich. Zwei junge Menschen – eben im heiratsfähigen Alter –, beide aus gutsituierten Familien stammend, die einander sehen und auf der Stelle wissen: Das ist die Liebe. Eine so unbedingte Liebe, die ein Leben ohne einander unvorstellbar macht.

Aber ebenso kompromisslos ist der Hass, der diese Liebe unmöglich macht. Denn Julia ist eine Capulet und Romeo ein Montague. Damit sind sie die jüngsten Sprösslinge zweier Familien, die ein unversöhnlicher, mörderischer Streit seit Generationen leidenschaftlich entzweit. Romeo und Julia geben alles für ihre Liebe, sogar ihr Leben. „Vielleicht gewinnen Romeo und Julia ja doch und retten ihre Liebe ins Jenseits“, sagt Regisseur Oliver Karbus im Interview mit der Tiroler Tageszeitung. Karbus inszenierte am Tiroler Landestheater (TLT) bereits unter anderem „Diese ganze lange Nacht“, „Endstation Sehnsucht“, „Shockheaded Peter“ und „Ein Wintermärchen“.

Karbus schreibt auch Theaterstücke und übersetzt Shakespeare – neben der in Innsbruck zur Aufführung kommenden Übersetzung von Romeo und Julia wurden zuvor am TLT auch seine Übersetzung von „Viel Lärm um nichts“ und „Was ihr wollt“ gespielt.

„Das Übersetzen war für mich sehr beglückend. Ich habe den Text ins heutige Deutsch übertragen. Es gibt kein Ihr und Euch mehr, sondern nur noch Sie und Du“, erläutert Karbus. Das ziehe den Text in die Gegenwart und tue dem Original nicht weh, findet der Regisseur. Zudem würden die sexuellen Anspielungen und die Zweideutigkeiten, die die Jugendlichen auf den Lippen tragen, stärker betont. „Große deutsche Übersetzer haben diese Zoten und Zweideutigkeiten nicht übersetzt, sie haben einfach fünf bis sechs Seiten des Textes ausgelassen, da sie das Gesprochene für geschmacklos hielten“, erzählt Karbus.

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Es sei aber gerade diese Sprache, die die Nöte der Jugend deutlich mache. „Die Pubertät und das In-sexuellen-Nöten-Sein ist ja für die Jugendlichen nicht lustig, genauso wenig wie für deren Eltern übrigens“, sagt Karbus. Ein Jugendstück sei „Romeo und Julia“ aber keinesfalls. Man müsse mindestens 16 Jahre alt sein, um die ganze Tiefe des Werks erfassen zu können.

„Die beiden verbindet keine gewöhnliche Teenagerliebe. Wenn diese Liebe nicht besonders ist, dann gibt es überhaupt nichts Besonderes mehr“, hält Karbus fest. An der Leidenschaft, mit der er das postuliert, merkt man, dass „Romeo und Julia“ eines seiner Herzensstücke ist. „Das Stück hat mich fasziniert, seitdem ich ihm das erste Mal begegnet bin. Früher als Schauspieler wollte ich den Romeo spielen, aber dazu ist es leider nie gekommen.“

Die Verbindung von Romeo und Julia sei heilig, aber nicht keusch, sie sei facettenreich, intellektuell und sinnlich. Die Frage, was aus Romeo und Julia geworden wäre, wenn sie jahrzehntelang miteinander gelebt hätten, ist für Karbus völlig unerheblich. „Das war ein witziger Ansatz des Satirikers Ephraim Kishon, diese Liebe ist aber nicht mit normalen Maßstäben zu messen“, erklärt der Regisseur.

Elli Wissmüller verkörpert die Julia, Pascal Groß gibt den Romeo. Für die Bühne zeichnet Karl-Heinz Steck verantwortlich. Die Kostüme stammen von Andrea Kuprian. Premiere ist am Sonntag, 8. April, 19 Uhr, im Großen Haus.


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