Österreichs Ski-Trainer bleiben Exportschlager

Österreichs Ski-Trainer sind über den Globus verteilt, ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel sieht den Wissenstransfer ins Ausland nüchtern.

  • Artikel
  • Diskussion

Von Susann Frank und Florian Madl

Innsbruck –Wer glaubt, mit Gunter Gabriels 70er-Schlager „Hey Boss, ich brauch‘ mehr Geld“ bei Peter Schröcksnadel auf offene Ohren zu stoßen, geht fehl. Der Präsident des Österreichischen Skiverbands (ÖSV) regiert den erfolgreichsten heimischen Verband mit Zurückhaltung. Das gilt etwa für Trainergehälter: Alexander Hödlmoser, Trainer von Lindsey Vonn, soll das unlängst bei der Salzburger Sportlergala auch unverblümt ins Mikrofon gesagt haben. Warum er nicht beim Österreichischen Skiverband sei? Des Geldes wegen.

„Wir freuen uns, wenn unsere Trainer im Ausland einen hohen Stellenwert haben. Aber wir werden nicht damit anfangen, sie mit Unsummen zu halten. Reisende soll man nicht aufhalten“, meinte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel gestern. Nur an der Spitze wolle er Kontinuität, darunter finden sich oftmals Jahresverträge.

Der jüngste Anlassfall für die Diskussion: die Abgänge des Salzburgers Andreas Evers und des Tirolers Bernd Brunner zum US-Team. Letzterer beteuert, dass es bei seinem Transfer nach elf Jahren im ÖSV nie ums Geld gegangen sei: „Der ausschlaggebende Grund war, dass ich zuletzt viel Wissen weitergegeben habe und jetzt selber wieder lernen will: von einer anderen Mentalität und anderen Trainern.“ Auch die Amerikaner würden sich viel vom neuen Technik-Coach erwarten, wie es heißt.

Doch das Duo Evers/Brunner ist nicht die einzige Auslandskonstellation: Der 40-jährige Tiroler Patrick Riml zieht dort als Alpinchef die Fäden, ist Boss von Gesamt-Weltcupgewinnerin Lindsey Vonn und Co. Und die Liste ließe sich mit Weltenbummlern wie Christian Leitner, Burkhard Schaffer oder Bernd Zobel beliebig erweitern.

TT-Geburtstag: Jetzt eine von 76 Torten gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet automatisch.

Im Lager der Nordischen scheint das Abwandern vorerst beendet zu sein. Noch mehr Substanzverlust wäre wohl auch schwer zu tragen. Mit Werner Schuster, Alex Stöckl und Richard Schallert setzen die starken Skisprung-Nationen Deutschland, Norwegen und Russland auf rot-weiß-rotes Know-how. Stöckl stellt mit Anders Bardal den aktuellen Gesamtweltcupsieger, Schuster stärkte seinen Adlern so die Flügel, dass sie zur besten Saison seit zehn Jahren abhoben.

Sowohl der St. Johanner Stöckl als auch die Wahl-Tiroler Schuster und Schallert halfen zuvor dem österreichischen Nachwuchs mit Erfolg auf die Sprünge. Dieser schwächelte heuer vor allem im Continentalcup (zweite Liga). Den neuen Trainer, den Ernst Vettori und Co. dafür im Blick hatten, köderten auch die Schweizer: den Innsbrucker Florian Liegl.

Doch wie zu hören ist, konnte der ÖSV dessen Abgang durch den Aufstieg vom Innsbrucker Stützpunkt- zum B-Kader-Cheftrainer verhindern.

Als Schallert seinen Job als C-Kader-Trainer in Deutschland beendete, hätte ihn Nordisch-Direktor Ernst Vettori gerne wieder ins ÖSV-Lager geholt. Doch der 47-Jährige winkte ab und nahm das lukrative Angebot aus Russland an. „Die Trainergehälter beim ÖSV sind eine Katastrophe“, schimpft Schallert. So zog es auch den ehemaligen B-Kader-Trainer Nik Huber als Sprungtrainer der nordischen Kombinierer nach Norwegen.

Dorthin kehrt Baard Jörgen Elden auch zurück. Jedoch nicht aus beruflichen Gründen. Elden, der mit Ende der Saison sein Amt als Kombinierer-Cheftrainer zurücklegte, will mit seiner Familie in Norwegen leben. Und das offene Cheftrainer-Amt? Das wird in den kommenden Wochen besetzt. Vettoris Favorit soll Christoph Eugen sein, bis dato B-Kader-Cheftrainer. „Wir sind im Gespräch“, bestätigt der 35-Jährige. Mittlerweile könne sich der Ex-Athlet, der noch mit Mario Stecher und Christoph Bieler Wettkämpfe bestritt, auch vorstellen, das Amt zu bekleiden. Eugen: „Aber nur unter gewissen Voraussetzungen.“


Kommentieren


Schlagworte