Freies Spiel der Formen

Erwin Bohatsch ist oft selbst über seine Bilder überrascht. In seiner sechsten Personale in der Innsbrucker Galerie Thoman zeigt er Großes und Kleines auf Leinwand und Papier.

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Von Edith Schlocker

Innsbruck –Seine Bilder seien nichts anderes als Versuche, sämtliche Möglichkeiten der Malerei zu überprüfen, sagt Erwin Bohatsch, einer der konsequentesten Vertreter der ehemals „Jungen Wilden“. Die in den Achtzigerjahren als Reaktion auf die für sie zu kopflastige Konzeptkunst die Malerei neu entdeckt haben, die Sinnlichkeit der Farbe, ein neues Bauchgefühl.

Erwin Bohatsch ist inzwischen 61 Jahre alt und sitzt auf einem Lehrstuhl für Malerei der Wiener Akademie der Bildenden Künste. Große Museen in aller Welt haben ihn ausgestellt, seine Bilder sind Teil wichtiger Sammlungen. Und trotzdem ist Erwin Bohatsch ein ständig Suchender, sich immer wieder Wandelnder.

Wie seine aktuelle Ausstellung zeigt, die die bereits sechste in der Galerie Thoman ist. Bestückt mit Leinwänden und Arbeiten auf Papier, die alle in diesem oder im vergangenen Jahr entstanden sind. Und die fast ohne Farbe auskommen. Sich allein aus einem subtilen Spiel zwischen Schwarz und Weiß mit sämtlichen Nuancen dazwischen entwickeln. Nicht-Farben im engeren Sinn, die für Bohatsch allerdings in höchstem Maß farbig sind. Vielleicht deshalb, weil sie bisweilen mit einem dunklen Grün, Blau oder Rot untermalt sind, die partiell in einigen Randzonen ihr Übermalt-Werden überlebt haben.

Erwin Bohatsch will in seiner Malerei nichts Reales abbilden, an nichts Konkretes erinnern, keine Emotionen oder Obsessionen visualisieren. Worum es ihm geht, ist ein freies Spiel der Formen, der Nuancen, die Entwicklung komplexer neuer Bildräume, die sind, was sie sind.

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„Eine Arbeit bedingt die andere“, sagt Erwin Bohatsch. Ohne konkrete Vorstellungen, wie das zu malende Bild einmal ausschauen sollte, lässt er sich auf den schöpferischen Akt ein, liefert sich ihm förmlich aus. Um oft selbst davon überrascht zu sein, was sich in diesem intensiven dialogischen Tun mit Fläche und Materie ergibt.

Auch der Zufall spielt in diesem spannenden Match aus Aktion und Reaktion keine unwesentliche Rolle, lässt Bohatsch die Farbe doch gerne über die Leinwand rinnen und verspritzen. Was so entsteht, lässt er stehen, wenn es ihm passt, steuert es mit Pinsel oder Spachtel – oder er löscht es wieder aus. Das Ergebnis sind wunderbar luftige, transparente, aus vielen dünnen Farbschichten gebaute Bildräume.

Neuerdings verpasst Bohatsch seinen Bildern gern ein strenges grafisches Gerüst. Indem er die oft riesigen Leinwände in exakt definierte Felder teilt. In Bilder im Bild, vor deren Binnengrenzen die malerischen Interventionen allerdings nicht Halt machen. Die in ihrer grafischen Konsistenz bisweilen wie verwischte ostasiatische Kalligrafien daherkommen, verankert in Tiefen, die nur zu erahnen sind.

Bei einem ganz neuen Bild hat Bohatsch auf eine sehr helle, subtil strukturierte Malerei ein monochromes schwarzes Quadrat gelegt. Allerdings nicht, um das Darunter auszulöschen, sondern um es zu betonen. Zu animieren zum ganz genauen Hinschauen, um hier Schablonen als malerische Hilfsmittel, dort ein Jonglieren mit einem leichten Kippen des Geometrischen aus der Ebene zu erkennen. Thoman zeigt aber auch eine Reihe von kleineren Arbeiten auf Papier von Erwin Bohatsch, die vorführen, dass wir es hier nicht nur mit einem großartigen Maler, sondern einem ebensolchen Zeichner zu tun haben.


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