Bedingungslos ist die Liebe

Shakespeares „Romeo und Julia“, die Liebesgeschichte aller Liebesgeschichten, spielt seit Sonntag am Tiroler Landestheater. Oliver Karbus verneigt sich mit einer soliden Inszenierung vor dem Klassiker.

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Von Sabine Strobl

Innsbruck –William Shake­speare hat die Intendanz von Brigitte Fassbaender und ihrem Schauspielchef Klaus Rohrmoser begleitet. „Ende gut, alles gut“, zitiert Fassbaender in ihrem Begleitwort zur laufenden und letzten Saison den „Übervater“ des Theaters. Mit seinen Worten kann man über die Liebe sprechen, über die Liebe an sich und über die Liebe zum Theater. So ist das Stück der Stunde „Romeo und Julia“, die Liebesgeschichte, die seit Jahrhunderten fasziniert und mit Sehnsucht erfüllt. Die Premiere am Ostersonntag im Großen Haus wurde mit gefälligem Applaus entgegengenommen.

Romeo und Julia haben schon in viele Spiegel der Gesellschaft blicken müssen. Denn jede Zeit hat so ihre Liebestöter, heute heißt der Gegenspieler vielleicht Beliebigkeit. Regisseur Oliver Karbus hebt in seiner Inszenierung die Bedingungslosigkeit der Liebe von „Romeo und Julia“ heraus. Diese Liebe geht über Leichen, diese Liebe ist augenblicklich und körperlich. Shakespeare eben.

„Mein Herz verloren, ihres dafür fand.“ Der gebürtige Bad Ischler zeichnet auch für die verwendete Shakespeare-Übertragung verantwortlich (das Landestheater verwendete bereits seine Übersetzungen von „Viel Lärm um nichts“ und „Was ihr wollt“). Mit kleinen Wendungen holt Karbus den Text in die Gegenwart, in der auch viele humorvolle Gesten, die Bühne von Karl-Heinz Steck und die Kostüme von Andrea Kuprian­ angesiedelt sind. Hübsche Stellen ergeben sich durch Hinaus- und Hineintreten in die Rollen und die Interaktion mit dem Publikum. Aber zu weit lehnt sich Regisseur Karbus nicht über den Balkon. Er bevorzugt sauberes Handwerk, das dem alten Meister Shakespeare gerecht wird.

Der Schwärmer Romeo zieht mit seinen Freunden durch die Nächte, während Julia mit einem Freier turtelt. Im Komödienfeuer trifft Romeo und Julia die Liebe. Ironie des Schicksals, dass ihre Familien, die reichen Montagues und die nicht weniger reichen Capulets, verfeindet sind. Ein Pater (Michael Arnold), der etwas von Kräutern und ihrer Wirkung versteht, wird ihr Verbündeter. Nach der Pause nimmt die Tragödie ihren Lauf. Elli Wissmüller und Pascal Groß holen Julia und Romeo aus der Komödie heraus und geben ihren Figuren Tiefe und Mut. Besonders Wissmüller kann als Julia die Bühne auch alleine füllen. Trotzdem steht beiden einige Male der Respekt vor den großen Theaterfiguren im Weg. Sympathieträger des Abends ist zweifellos Johannes Gabl als Mercutio. Frech dreht er als solcher seine Runden am Fahrrad und lässt aus einer Laune heraus sein Leben für Romeo. Thomas Lackner beeindruckt als gefühlsblinder Vater Julias. Insgesamt gibt sich das Ensemble schön aufeinander abgestimmt.

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Mit der Zeit zeigt auch die Bühne ihre Finessen. Wurde anfangs vor einer Mauer gespielt, durch die sich Treppen als Linien ziehen, so wachsen später aus der Mauer Treppenaufgänge zum Palast und unvermeidlich hinunter in die Familiengruft, wo Romeo und Julia endgültig zu Gift und Messer greifen und zwei Feinde einander die Hände reichen. Aber wie Shake­speare sagt, es ist alles nur ein Spiel.

Mit viel Liebe wurde auch das Programmheft gestaltet. Man schmunzelt über Wolf Wondratscheks Zeile „Dein Lächeln, Jahrhunderte später“ und über den Fernsehphilosophen Richard David Precht, der dem Paradox Liebe mit handfesten Tipps begegnet.


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