Sagenhafte Schiffsmeldungen

In „Titanic: Das Schiff. Der Untergang. Die Legenden“ geht Linda Maria Koldau dem Mythos des legendären Schiffs auf den Grund.

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Von Christiane Fasching

Innsbruck –Wäre sie nicht gesunken, dann würde heute wohl kein Hahn mehr nach ihr krähen. Doch weil die Titanic bei ihrer Jungfernfahrt mit einem Eisberg kollidierte und in der Folge in den Fluten des Meeres unterging, ist sie nach wie vor in aller Munde. Erst recht in diesen Tagen – jährt sich der Untergang des legendären Luxusdampfers in der Nacht von 14. auf 15. April doch zum 100. Mal.

In ihrem spannenden Buch „Titanic: Das Schiff. Der Untergang. Die Legenden“ taucht Linda Maria Koldau in das Titanic-Universum ein und seziert es in 17 Kapiteln, die nicht nur die Katastrophe beleuchten, sondern auch die Mythen unter die Lupe nehmen, die im Laufe der Jahrzehnte angehäuft wurden. So hat sich das Bild der heldenhaften Musiker ins kollektive Gedächtnis eingebrannt – jener Männer, die erst dann ihre Instrumente zur Seite legten, als ihnen das Wasser schon bis zum Bauch stand. Glaubt man den Überlebenden, so sank die Titanic zu den Klängen von „Nearer, My God, to Thee“ (Näher, mein Gott, zu Dir) – einem Lied, das im Moment des Todes stimmiger nicht sein hätte können. Beweise dafür gibt es keine. Im Gegenteil. Doch der Modewalzer „Song d‘Automne“, der wohl wirklich intoniert wurde, hätte nicht dieselbe Symbolkraft gehabt.

Gleich zu Beginn räumt Koldau mit dem Irrglauben auf, dass der Untergang der Titanic die größte Schiffskatastrophe aller Zeiten gewesen sei. Mumpitz – es gab weitaus schlimmere Unglücke auf hoher See. Doch weil dank der Aufteilung in eine Drei-Klassen-Gesellschaft der Luxusdampfer zum Mikrokosmos der gesellschaftlichen Unterschiede mutiert war, hatte die Welt das Gefühl, irgendwie mituntergegangen zu sein. Koldau widmet sich auch der Frage, warum anno 1912 nicht das damals schon international verbreitete Notruf-Signal SOS, sondern der Code CQD gesendet wurde. Offenbar wollte Kapitän Smith verhindern, dass die Titanic von einem deutschen Schiff abgeschleppt werden würde – der Bergelohn wäre zu hoch gewesen, der Spott der Reederei-Konkurrenz auch. Aufgefettet wird der Parcours durch die sagenhafte Geschichte mit zahlreichen Schwarz-Weiß-Bildern, die Lust auf eine Kreuzfahrt machen. Ohne Eisberg-Begegnung natürlich.

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