Italienischer Cityfloh mit Herz

Lancia Ypsilon 0.9 TwinAir: Dank Zweizylinder-Motor soll die Designertasche zur Sparbüchse werden. Wir machten bei dem Stadtflitzer den Praxistest.

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Innsbruck – Etwas über dreieinhalb Meter lang und eineinhalb Meter breit. In der automobilen Welt also nicht viel größer als eine Gucci-Handtasche. Das sind die Größenangaben unseres Lancia Ypsilon Gold 0.9 TwinAir und schnell wird klar: Der Ypsilon ist immer noch ein echter Frauenschwarm, wenngleich sein Designerblech auch männlichen Fahrern den Kopf verdrehen kann.

Auf den ersten Blick sehen wir es dem kleinen Italiener gar nicht an, aber er rollt als Fünftürer daher. Die Griffe der Fondtüren sind aber geschickt in die C-Säule integriert und bleiben so fast unentdeckt. Passagiere über 1,80 Meter müssen allerdings den Kopf so lange einziehen, bis sie die hinteren Reihen wieder verlassen. Vorne Platz genommen, fühlt man sich dafür wie in einem italienischen Schuhgeschäft: Elegante Formen, viel Chrom und gut verarbeitete Materialen lassen hier den einen oder anderen Luxusgedanken aufkommen. Die Armaturen sind traditionell mittig angeordnet und leicht lesbar. Auf den vorderen Sitzen finden auch groß gewachsene Männer ausreichend Platz, der Seitenhalt der sonst angenehmen Polster könnte aber besser sein.

Dreht man dann am Zündschlüssel, dann ertönt ein Knattern aus dem Motorraum, das sonst nur Endurofahrer kennen. Der aufgeladene Zweizylinder-Benziner geht munter ans Werk und verleiht dem Lancia einen fast schon niedlichen Touch. In den unteren Touren spricht das 895 cm³ große Triebwerk zwar etwas verzögert an, ab 2000 Touren verschwindet das Knattern dann aber und der Turbozwerg schickt beachtliche 145 Nm an die Vorderräder. Darüber erstaunt, wie schnell der kleine Hubraum den Lancia in Bewegung setzen kann, beginnen wir, in dem angekoppelten Fünf-Gang-Getriebe zu rühren, damit die Drehzahl oben bleibt. Wählt man eine solche Gangart, dann bleibt der Verbrauchsvorteil, den man dank serienmäßiger Start-Stopp-Automatik und kleinem Hubraum erreichen soll, aber fast unbemerkt. 6,8 Liter auf 100 Kilometer genehmigte sich unser Cityflitzer im 14-tägigen Test. Man sollte die Schaltempfehlungen, die einem das Citymobil über die Armaturen mitteilt, vielleicht doch beachten.

Zum Basispreis von 15.300 Euro addierten sich bei unserem Test-Lancia noch 2733 Euro für Extras wie eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung, hintere Parksensoren und eine Klimaautomatik mit Licht- und Regensensor. Macht alles in allem 18.033 Euro. Ein stolzer Preis, für den man aber einen extravaganten Stadtflitzer bekommt. (luc)


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