War der 9. April des Jahres 30 das wirkliche Osterdatum?

Wien (APA) - War der 9. April des Jahres 30 das wirkliche Osterdatum? Die heutige Bibelwissenschaft kann bei der Beantwortung dieser Frage g...

  • Artikel
  • Diskussion

Wien (APA) - War der 9. April des Jahres 30 das wirkliche Osterdatum? Die heutige Bibelwissenschaft kann bei der Beantwortung dieser Frage gut helfen. Weitgehender Konsens besteht lat Kathpress nämlich über die hohe Datumsverlässlichkeit des Evangelisten Johannes im Blick auf die Passion Jesu. Nach Johannes starb Jesus am Tag vor dem Pessach-Fest des Jahres 30 - also am Freitag, 7. April, vor 1.982 Jahren.

Die Entdeckung des leeren Grabes am Morgen des dritten Tages - also Ostern - wäre somit am Sonntag, 9. April, des Jahres 30 erfolgt. Als künftiger einheitlicher „Ostertermin“ könnte mit guten Gründen somit der 9. April fixiert werden, meinen manche Experten.

Denn die unterschiedlichen Passionsdatierungen zwischen den drei frühen Evangelien - den Synoptikern Matthäus, Markus, Lukas - und dem späteren Johannes bedingen keine höhere Datumsverlässlichkeit der „Alten“, wie der Würzburger Bibelwissenschaftler Rudolf Schnackenburg eindrucksvoll dargelegt hatte.

Grund dafür ist, dass die Synoptiker das letzte Mahl Jesu als Pessach-Mahl darstellen wollten, um ihren judenchristlichen Hörern zu vermitteln, dass ab sofort das eucharistische Mahl als das wahre Pessach-Mahl zu verstehen sei. Johannes jedoch unterließ diese redaktionell eingefügte Botschaft.

Nach Johannes starb Jesus vielmehr - und mit hoher Wahrscheinlichkeit traf dies historisch zu, meinen nicht wenige Bibelwissenschaftler - wenige Stunden vor dem Beginn eines Pessach-Festes, und zwar an einem Freitag. Für die Berechnung ist somit ein Festbeginn an einem Freitag innerhalb der Zeitspanne 27 bis 32 n. Chr. relevant. Daraus ergibt sich dann als Todestag Jesu Freitag, der 7. April des Jahres 30.

Bei der Datierung des Todestages Jesu schließt sich auch Papst Benedikt XVI. der Chronologie des Johannes-Evangeliums an, nach der Jesus nicht am Tag des jüdischen Pessach-Festes verurteilt und hingerichtet wurde, sondern am Tag davor. Im 2011 erschienenen 2. Band seines Jesus-Buchs argumentiert der Papst in diesem Sinne.

Schwerer ist der Tag des „Letzten Abendmahles“ zu bestimmen, denn Jesus hat es nicht am offiziellen Pessach-Termin, dem 15. Nissan (im Jahre 30 war das der Abend des Freitag, 7. April) gefeiert. Möglich wäre, dass Jesus das Mahl bewusst um einen Tag vorausnahm. Bei einer Feier ohne Lamm hätte er damit indirekt auf sich selbst als das wahre Pessachlamm hingewiesen.

Es gibt aber auch eine alte judenchristliche Überlieferung. Nach dieser hätte Jesus das letzte Mahl in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch gefeiert. Erst durch die Schriftrollenfunde von Qumran ist bekannt, dass dies genau der Termin ist, an dem die Essener, aber auch andere jüdische Gruppen, Pessach begingen. Im Jesus-Buch erörtert - und verwirft - der Papst die Möglichkeit, Jesus könne einem abweichenden Kalender von Qumran gefolgt sein und das Pessach-Mahl zwei Tage vor dem eigentlichen Datum gefeiert haben.

In der Forscherdebatte um die Worte Jesu beim Letzten Abendmahl verteidigt Benedikt XVI. gegen zahlreiche Neutestamentler die Ursprünglichkeit der biblischen Überlieferung. Ob die Worte über Brot und Wein und ihre Deutung auf den Tod am Kreuz wirklich von Jesus selbst stammten, sei eine „schein-historische“ Diskussion.


Kommentieren