„Das Zillertal darf nicht mehr der Ballermann sein“

Schlägereien, Schwerverletzte, exzessive Trinkgelage: Das Zillertal ist im Winter zum Ballermann geworden. Jetzt regt sich Widerstand.

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Von Brigitte Warenski

Innsbruck, Gerlos –Im Zillertal ist man entsetzt: Zwölf betrunkene Holländer randalieren Ende Februar im Hotel Gerloserhof, richten einen Sachschaden in Höhe von 8500 Euro an und verletzen vier Menschen. Obwohl Holzbänke und Pflastersteine flogen und eine Kopfwunde genäht werden musste, bleibt der Abend ohne Folgen für die holländischen Touristen. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck stellte das Verfahren wegen des Verdachtes des Raufhandels vergangene Woche ein.

„Für uns ist das ein Wahnsinn. Da kann man leicht den Glauben an das Rechtssystem verlieren, wenn Körperverletzung und Sachbeschädigung ungestraft bleiben. Wären das Einheimische gewesen, hätte das sicher ein Nachspiel gehabt“, zeigt sich Andreas Haas, Bürgermeister von Gerlos, verärgert. Empört ist auch NR Franz Hörl (ÖVP). „Da kann ja jede Horde bei uns einfallen, einbrechen und auf Leute eindreschen. Das kann es wohl nicht sein.“

Hansjörg Mayr, Sprecher der Staatsanwaltschaft, versteht den Ärger nicht: „Das war rechtlich eine klare Sache. Wie bei den meisten Massenschlägereien war es auch hier nicht möglich festzustellen, wer konkret welche Verletzung verursacht hat. Hätte es Schwerverletzte gegeben, könnte jeder Teilnehmer an der Schlägerei strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden, bei leichten Verletzungen ist das nicht so.“

Dass es im Zillertal im Winter zu Schlägereien und Randale kommt, ist kein Einzelfall, bestätigt auch Anton Stock, Polizeikommandant von Zell am Ziller. „Es gab diese Saison sieben Anzeigen und wir bereiten derzeit eine weitere vor. Hier geht es um eine Schlägerei unter Holländern in Schwendau mit drei Schwerverletzten.“

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Alfred Kammerlander vom „Gerloserhof“ will, dass endlich über den Tourismus im Zillertal nachgedacht wird. „Das sind halt die Nebenerscheinungen vom Brutal-Ballermann-Après-Ski. Besonders die Holländer haben längst erkannt, dass sie bei uns die Möglichkeit haben, die Sau ohne Ende rauszulassen“, spricht er Klartext. Wenn sich das Zillertal im Winter – „der Sommer zeigt ja, wie gut es funktionieren kann“ – nicht bald vom Ballermann-Image verabschiede, „vergraulen wir andere Gäste und Familien. Viele Einheimische und Gäste haben mir erzählt, dass sie sogar Angst haben, am Abend in die Lokale zu gehen.“ Kammerlander wünscht sich für das Tal eine bessere Zukunft: „Natürlich sage ich ja zum Après-Ski, aber zu einem mit Niveau und Gemütlichkeit. Davon würden langfristig alle profitieren.“ Ob das auch Zillertals Bürger und andere Hoteliers so sehen, wird sich am Donnerstag zeigen, wo bei der Tourismusverbandstagung zum Saisonschluss auch über das „Après-Ski“ diskutiert werden soll.

Bürgermeister Haas sieht eine andere Lösung für das Problem der randalierenden Gäste: „Wir brauchen mehr Polizeistreifen.“ Laut Haas sind die Polizeiinspektionen im Zillertal „total unterbesetzt. Die Polizei tut ihr Möglichstes, aber besonders in der Hauptsaison haben sie einfach viel zu wenig Leute.“ Haas will deshalb eine Petition an das Innenministerium schicken: „Wir – ich bin sicher­, dass ich die volle Unterstützung der anderen Bürgermeister bekomme – werden auf die Missstände aufmerksam machen und verstärkte Polizeipräsenz fordern.“


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