Anschlag bei Kirche in Nigeria: Laut Augenzeugen bis zu 30 Tote

Zwei mit Sprengstoff präparierte Autos seien gegenüber der Kirche in der Stadt Kaduna explodiert, hieß es.

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Kano/Vatikanstadt - Bei einem Bombenanschlag in der Nähe einer Kirche sind am Ostersonntag im Norden Nigerias viele Menschen getötet und verletzt worden. Während die Behörden von 12 bis 18 Todesopfern sprachen, berichteten Augenzeugen von 30 Toten, die sie am Tatort in der Stadt Kaduna gesehen hätten.

Es wird vermutet, dass die Bluttat auf das Konto der islamistische Terrororganisation Boko Haram geht, die Anschläge zu Ostern in der Provinz angekündigt hatte. Die Sekte will die Christen aus dem überwiegend islamisch geprägten Norden des Landes vertreiben.

Unter den Toten ist nach Angaben der Sicherheitsbehörden auch der Fahrer, der ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug auf einer belebten Straßenkreuzung zur Explosion gebracht hatte. Eine Augenzeugin berichtete der Nachrichtenagentur dpa aus Kaduna, das Auto sei nahe einer Kirche in die Luft gesprengt worden.

Mehrere Fahrer von Motorradtaxis und Bettler seien ums Leben gekommen. Auch Kleinkinder seien unter den Opfern. „Viele Körper sind verstümmelt“, sagte die Anrainerin Alice Bako. Auch ein Sprecher des Nationalen Katastrophenschutzes sagte der nigerianischen Zeitung „Punch“, es habe hauptsächlich Fahrer bei einem Stand für Motorradtaxis getroffen.

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In Rom erinnerte Papst Benedikt XVI. in seiner Osterbotschaft an das Leiden der Christen in Nigeria. Das Kirchenoberhaupt wünschte dem westafrikanischen Land die Energie, „um den Aufbau einer friedlichen Gesellschaft wieder aufzunehmen, die die Religionsfreiheit respektiert.“

In Wien verurteilte die „Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen“ den Anschlag auf das Schärfste: „Als gläubige Muslime sind wir tief erschüttert“, hieß es in einer Aussendung. „Diese Tat sollte einen Aufschrei des Entsetzens und eine entschiedene Verurteilung gerade von muslimischer Seite nach sich ziehen. Denn neben Mitgefühl mit den unschuldigen Opfern und der Betonung des Menschenrechtes auf Leben und Religionsfreiheit muss auch eine scharfe Zurückweisung aus islamisch-theologischer Sicht erfolgen.“

Boko Haram terrorisiert seit 2009 Nigeria. Bei Anschlägen auf das UN-Hauptquartier in Abuja, auf Kirchen, Polizeistationen und Lokale, in denen Alkohol ausgeschenkt wird, haben die Islamisten bereits mehr als tausend Menschen getötet. Muslime und Christen stellen im bevölkerungsreichsten Land Afrikas jeweils die Hälfte der etwa 160 Millionen Einwohner. Nigeria ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Der Süden des Landes ist stärker christlich geprägt, der Norden stärker muslimisch. (APA/AFP/dpa)


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