Die Idee von grenzenloser Freiheit in Kupferblech
„Herzlich willkommen“ im Kunstraum Innsbruck: Danh Vo, der fünf Fragmente seiner Replik der Freiheitsstatue mitgebracht hat.
Von Edith Schlocker
Innsbruck –Zu seiner Ausstellung im Kunstraum hat sich Danh Vo vor rund einem Jahr mittels Facebook selbst eingeladen. Sehr zur Freude von Veit Loers, dessen kommissarischem künstlerischen Leiter, weshalb die Schau auch „Herzlich willkommen“ heißt. Ist der 37-jährige Vietnamese, der als Bootsflüchtling fünfjährig nach Dänemark gekommen ist, an der Frankfurter Städelschule bei Tobias Rehberger studiert hat und nun in New York lebt, doch ein international höchst gefragter Künstler.
Speziell seit dem spektakulären Scherbenhaufen, den Danh Vo im vergangenen Jahr in das Kasseler Fridericianum geschüttet hat. Bestehend aus in China aus 2,4 Millimeter dünnem Kupferblech exakt nachgebauten Bruch- stücken der amerikanischen Freiheitsstatue. Mehr als 500 von diesen wird es nach Abschluss des Werks geben, die, aufgeteilt in mehrere wichtige Museen auf der ganzen Welt, dann zeitgleich gezeigt werden sollen.
150 der Bruchstücke sind inzwischen fertig und fünf davon hat der Künstler nun in den Kunstraum gestellt. Dass sie Teile des Beckens der legendären Ikone der Hoffnung auf ein freies Leben sind, sieht man den fünf Objekten nicht an. Deren Anmutung die autonomer skulpturaler Hülsen ist, spielend mit Räumen und Flächen, mit Rundem und Eckigem, einem Vorne und einem Hinten, Licht und Schatten.
Zusammengesetzt zur realen Freiheitsstatue im Kopf des Betrachters bzw. zur Idee von Freiheit, um die es Danh Vo letztlich geht. Was – wie alles, was er als Künstler macht – mit seiner eigenen Geschichte zu tun hat. Seiner Familie, seinen Fluchten, seinem Unbeheimatet-Sein. Generell den Fragen von Kolonialismus und Migration, dem Suchen nach persönlicher Identität.
Die Freiheitsstatue als pathetische Ikone für ein Ideal ist für Danh Vo das ideale Vehikel, um den Zustand der Freiheit in unserer Welt kritisch zu hinterfragen. In der nicht jeder „willkommen ist“, die Freiheit des einen nur allzu oft die Unfreiheit des anderen bedeutet.
Eine große Danh-Vo-Personale im Kunsthaus Bregenz wird kommenden Freitag, 19 Uhr, eröffnet.