Goldbarren-Mord

Anwalt: „Polizist und Opfer ein Paar“

Der Verdächtige im Wiesinger Gold-Mord bestreitet, für den Tod der Raika-Mitarbeiterin verantwortlich zu sein. Vielmehr wollten er und seine Freundin angeblich einen Raub fingieren und das Gold unterschlagen.

Von Thomas Hörmann

Innsbruck –Der mord­verdächtige Polizist (51) und das Opfer (49), Leiterin einer Raika-­Filiale im Unter­land, waren angeblich ein Paar. „Die beiden hatten eine­ Beziehung­“, bestätigt der bekannte­ Innsbrucker Rechtsanwalt Hansjörg Mader­, der kürzlich die Vertretung des suspendierten Beamten übernommen hat.

Wie bereits berichtet, bestreitet der Polizist, für den gewaltsamen Tod der 49-Jährigen verantwortlich zu sein. „Mein Mandant gibt an, dass er weder am Tatort in Wiesing war noch weiß, wo das Gold ist“, sagt Mader.

Der Polizist beantwortete jetzt auch die offenen Fragen über die Hintergründe des mysteriösen Goldgeschäfts: „Mein Mandant sagt, seine Freundin und er wollten einen Raub fingieren. Den diesbezüglichen Plan haben sie gemeinsam ausgeheckt.“

Das Alibi für die Mordnacht bereitet dem Untersuchungshäftling allerdings noch Schwierigkeiten. „Die Gerichtsmedizin kann den Zeitpunkt für den Tod der Bankmitarbeiterin nur sehr ungenau eingrenzen. Entsprechend schwer tut sich mein Mandant, ein Alibi zu entwickeln“, erklärt der Anwalt­.

Rückblende: Es war am 16. März, als Polizisten in einem Mercedes in Wiesing die Leiche­ der 49-jährigen Bankprokuristin fanden. Schon bald war klar, dass die Frau einem Verbrechen zum Opfer gefallen sein dürfte. Der Innen­raum ihres Pkw war verrußt. Offenbar hatte der Täter versucht, den Wagen in Brand zu stecken.

Wie die Ermittlungen ergaben, hatte ein Unbekannter die Frau am Vorabend mit Chloroform betäubt, mit dem Gurt am Autositz fixiert und mit einer Signalfackel im Innenraum Feuer gelegt. Der Brand erlosch zwar, das Opfer erstickte allerdings am dichten Qualm im Mercedes. Außerdem fehlten acht Kilo­ Gold im Wert von 333.000 Euro­. Das Edelmetall hatte die 49-Jährige am 15. März aus der Bank gebracht.

Bereits am 17. März geriet­ der Unterländer Polizist ins Visier­ der Mordermittler­. Seine­ Fingerabdrücke waren am Merce­des, seine SMS im Handy­ des Opfers gespeichert­.

Am 19. März baten die Kriminalisten ihren Kollegen zur Einvernahme. Bei den gleichzeitigen Hausdurchsuchungen in der Wohnung und im Schrebergarten des Beamten stießen die Ermittler auf Chloroform und Signalfackeln.

Während der Einvernahme im Landeskriminalamt unternahm der Polizist einen Fluchtversuch. Beim Handgemenge mit einem Ermittler bekam er dessen Dienstwaffe zu fassen. Der Verdächtige soll dann auf den Kollegen gezielt und abgedrückt haben. Der Schuss löste sich allerdings nicht. Seither sitzt der Mann in Untersuchungshaft.