Internationale Pressestimmen zur Präsidentschaftswahl in Frankreich
London/Paris/Berlin/Genf (APA/dpa) - Mit der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Frankreich beschäftigten sich am Montag zahlreiche int...
London/Paris/Berlin/Genf (APA/dpa) - Mit der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Frankreich beschäftigten sich am Montag zahlreiche internationale Pressekommentare:
„The Times“ (London):
„Die Zukunft von ‚Merkozy‘, dieser Hydra am Steuer der Europapolitik, ist in engster Gefahr. Die Verbindung dieser beiden Köpfe, Nicolas Sarkozy und Angela Merkel, war sachlich, aber nicht herzlich, und hat dazu beigetragen, die Märkte von Härte und Dynamik im Herzen der Eurozone zu überzeugen. ‚Merkande‘ (Angela Merkel und Francois Hollande) oder vielleicht ‚Frangela‘, könnte eine ganz andere Perspektive bieten. Es gibt langfristige Strukturprobleme, die nicht länger ignoriert werden können, ob die Eurozone in ihrer gegenwärtigen Form weiterbesteht oder nicht. ‚Frangela‘ ist eine Einheit, die noch nicht auf die Probe gestellt wurde. Sollte dieses Wesen bald seine zwei Köpfe erheben, dürften diese nicht lange zusammenbleiben.“
„Tagesspiegel“ (Berlin):
„So wie Marine Le Pen ihren Wählern vorgaukelte, dass Frankreich auch ohne Euro und Schengen-Raum als Nationalstaat alter Prägung ganz gut bestehen könne, so machte am linken Rand der Volkstribun Jean-Luc Melenchon Stimmung gegen den EU-Vertrag von Lissabon. Rechnet man den Stimmenanteil der beiden Kandidaten zusammen, dann kommt man zu dem Ergebnis, dass fast jeder dritte Wähler in einer Anti-Haltung gegen die dominierenden Parteien der Konservativen und der Sozialisten verharrte. Auf dieses gewaltige Reservoir der Unzufriedenen werden Hollande und Sarkozy nun im zweiten Wahlgang eingehen müssen - sie stehen unter dem Zugzwang der Extreme.“
„Neue Zürcher Zeitung“:
„Die Extremparteien Frankreichs gehen deutlich gestärkt aus diesen Wahlen hervor. Am rechten Rand hat die neue Vorsitzende des Front National, Marine Le Pen, das beste Ergebnis in der Geschichte ihrer Partei erzielt und damit auf Anhieb ihren Vater in den Schatten gestellt. Auf der gegenüberliegenden Seite haben die kommunistisch angehauchten Gruppierungen ihren Stimmenanteil fast verdoppelt. Zusammen haben diese beiden extremen Blöcke fast ein Drittel der Wählerschaft verführt - der zweithöchste Anteil seit der Einführung der Volkswahl des Präsidenten vor einem halben Jahrhundert. Das ist ein denkbar schlechtes Zeichen für den Zustand der französischen Gesellschaft, aber auch ein Warnsignal für den künftigen Staatschef, ob dieser Sarkozy oder Hollande heißen wird.“
„24 Tschassa“ (Sofia):
„Sollte Francois Hollande siegen, wird er der zweite Sozialist in der Geschichte der Fünften Republik Frankreichs sein. Die französische Wählerschaft stimmt traditionell eher rechtskonservativ, aber die wirtschaftliche Krise könnte nun die Linke erneut an die Macht zurückbringen. (...) Hollande ist der erste Vertreter der europäischen Linken, der ein umfassendes Programm zum Ausweg aus der Wirtschaftskrise bietet, das anders ist als das der bisherigen rechtskonservativen Spitzenpolitiker in der EU. Sollte er siegen, wird ganz Europa das französische Experiment unter die Lupe nehmen.“