Vier Meter Schnee von gestern
Mit den Temperaturen am Wochenende steigt auch die Lawinengefahr in Tirol noch einmal an. Die Zahl der Unfälle liegt heuer unter dem langjährigen Durchschnitt.
Von Marco Witting
Innsbruck, St. Christoph –Vier Meter Schnee. In St. Christoph am Arlberg scheint der Sommer mindestens so weit entfernt zu sein. Oder noch viel weiter. Die Winterlandschaft hat das Frühjahr bisher fast unbeschadet überstanden. Es herrscht weiterhin Postkartenidylle. Erst am Dienstag kamen noch einmal ein paar Zentimeter dazu. Bis der Schnee hier endgültig geschmolzen ist, wird es noch Wochen dauern. Daran werden auch die sommerlichen Temperaturen, die für das Wochenende prognostiziert sind, noch nicht viel ändern.
Auch für die Experten vom Lawinenwarndienst sind derartige Schneehöhen zu dieser Zeit durchaus außergewöhnlich. Teilweise registrieren die Messstellen in Tirol um bis zu zwei Meter mehr Schnee als in den Jahren zuvor. Für das kommende Wochenende wird es auf den Bergen besonders heiß – im doppelten Sinne. Denn mit den Temperaturen steigt auch die Lawinengefahr und gerade in dieser Jahreszeit sind durchaus noch sehr viele Tourengeher unterwegs. Aktuell wird die Gefahr als „erheblich“, also Stufe drei, eingeschätzt. Stufe vier, also teilweise große Lawinengefahr, will Experte Patrick Nairz für die kommenden Tage nicht ausschließen. „Wir müssen das aber von Tag zu Tag beurteilen.“ Zwar sei der Aufbau der Schneedecke weiterhin gut, doch „wir rechnen mit zahlreichen meist kleinen und mittleren Lockerschneelawinen aus extrem steilen, besonnten Hängen.“ Für Sportler, die im freien Gelände unterwegs sind, heißt es daher „Vorsicht“. Nairz rät: „Je früher und je höher man unterwegs ist, desto besser.“
Die Tourengeher sollten dabei allerdings nicht auf den Rückweg vergessen. Wichtig sei darüber hinaus zu beachten, dass die Gefahr von Schneebrettern im Tagesverlauf markant ansteigen kann.
In der auslaufenden Saison sind in Österreich insgesamt 17 Menschen durch Lawinen ums Leben gekommen. Das sind um neun weniger als im langjährigen Durchschnitt. Gegenüber dem schneearmen Winter im Vorjahr gab es allerdings eine Steigerung. Insgesamt wurden von der Polizei 134 Lawinenunfälle registriert, ungefähr so viele wie im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Neun Menschen starben in Tirol unter einer Lawine. Ein Ende der Lawinengefahr ist wegen der großen Schneemengen noch nicht in Sicht.
Doch irgendwann werden die Schneemassen schmelzen. Dass dies zu Überflutungen in Tirol führen könnte, glauben die Experten aber vorerst nicht. Alleine durch die Schneeschmelze würde kein Hochwasser entstehen. Diese Gefahr besteht eher für Ostösterreich. Zwar würden die Wasserstände in den kommenden Tagen steigen – allerdings im normalen Rahmen. Ein Problem würde es nur dann geben, wenn zur Schmelze auch lang anhaltender Regen kommt.
Einziges Risiko: Einige Hänge könnten bei entsprechender Wetterlage instabil werden.