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Bahn-Schulden wachsen jährlich um 1,8 Mrd. Euro

2011 bremsten sich die ÖBB bei 28 Mio. Euro Verlust ein, Bahn will Spritpreisopfer locken. Bauvorhaben lassen Schulden massiv steigen.

Wien –Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) haben im Vorjahr ihren Sanierungskurs fortgesetzt und die Verluste verringert. In die schwarzen Zahlen ist die Bahn allerdings noch nicht gerollt. Im Vorjahr schrieben die ÖBB immer noch 28 Mio. Euro Verlust – nach einem Minus von 329 Mio. Euro im Jahr davor. Heuer will ÖBB-Vorstandschef Christian Kern den Verlust weiter reduzieren und „nahe an die Null­linie“ kommen. „Wir sind noch längst nicht über den Berg“, warnte Kern bei der Vorstellung der Bilanz: „Die Kostensenkungsprogramme müssen fortgesetzt werden.“

Die großen Bauvorhaben lassen aber den Schuldenberg massiv anwachsen. Die Bahn war am Kapitalmarkt Ende 2011 mit etwa 17,5 Mrd. Euro verschuldet und in den nächsten Jahren wird sich die Verschuldung um jährlich 1,5 bis 1,8 Mrd. Euro erhöhen. Schon 2011 zahlten die ÖBB 695 Mio. Euro Zinsen. Auch das Sparpaket werde die ÖBB mit 30 Mio. Euro belasten. die Mitarbeiterzahl soll schon heuer unter 40.000 sinken.

Eine Erhöhung der Ticketpreise wollte Kern nicht ausschließen: „Am Ende des Tages sind wir nicht die Heilsarmee“, so Kern. Erst jüngst hatte Kern vor der Kluft zwischen Preisen und Kosten gewarnt: „Die Kosten steigen jährlich um rund 120 Mio. Euro, hier öffnet sich zunehmend eine Schere.“

Die Zahl der Bahnreisenden sank im Vorjahr leicht auf 209 Mio., der Umsatz im Personenverkehr stieg dennoch um 2 % auf 1,75 Mrd. Euro. Hier ortet Kern noch Potenzial: Angesichts der hohen Spritpreise sei das Interesse für einen Umstieg auf die Bahn groß, bis zur Jahresmitte soll zudem die Marke von einer Million verkauften Billig-Tickets (Sparschiene) geknackt werden. Ob die Aktion fortgesetzt wird, steht aber noch nicht fest. Konkurrent Westbahn verkauft Fahrkarten billiger als reguläre ÖBB-Tickets, aber zu einem Fixpreis.

Auch die Güterverkehrssparte Rail Cargo Austria (RCA) steigerte 2011 den Umsatz um 4 % auf 2,5 Mrd. Euro und verbesserte das Ergebnis gegenüber dem finanziellen Katastrophenjahr 2010 um 300 Mio. Euro. Unterm Strich schrieb die Gütersparte aber immer noch einen Verlust von 48,6 Mio. Euro, 2010 lag das Minus bei 329 Mio. Euro. Grund für das vergleichsweise bessere Güter-Ergebnis waren hauptsächlich Einmal­effekte: geringeres Schienenbenützungsentgelt, der Kurs des ungarischen Forint, auch gab es keine großen Abschreibungen. Rund 85 der 300 Mio. Euro Ergebnisverbesserung seien aber durch Produktivitätssteigerungen und Einsparungen erzielt worden. Insgesamt (Personen, Güter, Infrastruktur) steigerte der ÖBB-Konzern den Umsatz von 6,1 auf 6,25 Mrd. Euro. Heuer kämpft die Bahn aber bereits mit massivem Gegenwind – vor allem im Güterbereich. Speziell das Geschäft nach Südosten sei „eingebrochen“. (TT, APA)