Gesellschaft

Los Angeles erinnerte an blutige Rassenunruhen vor 20 Jahren

Freispruch von prügelnden Polizisten löste tagelange Krawalle mit über 50 Toten aus.

Los Angeles - Mit einem Aufruf zur Einheit haben Vertreter ethnischer Minderheiten, Bürgerrechtler und Polizei am Sonntag in Los Angeles an die tödlichen Rassenunruhen vor 20 Jahren in der US-Metropole erinnert. „Wir versprechen, dass unsere Kinder verstehen werden, dass Verschiedenheit in unserer Gemeinde eine Stärke und eine Quelle von Stolz ist, nicht ein Grund für Hass und Spaltung“, hieß es in einer anlässlich des Jahrestages veröffentlichten gemeinsamen Stellungnahme mehrerer Organisationen und der Polizei von Los Angeles.

Bei den schwersten Rassenunruhen in den USA seit den 60er Jahren waren im Frühjahr 1992 in der US-Westküstenstadt 53 Menschen getötet und tausende verletzt worden. Auslöser für die Krawalle war der Freispruch mehrerer weißer Polizisten am 29. April 1992, die ein Jahr zuvor den Schwarzen Rodney King brutal zusammengeschlagen hatten. Ein Mann hatte den Vorfall gefilmt, die Aufnahmen gingen um die Welt. Hunderttausende wütende Bürger gingen nach dem Freispruch in Los Angeles auf die Straße. Die Polizei bekam die Krawalle nicht in den Griff, erst am vierten Tag kehrte durch das Eingreifen der Armee Ruhe ein.

Am Sonntag kamen etwa 150 überwiegend schwarze Bürger an einer Straßenkreuzung, dem Zentrum der Proteste, zu einer „Aussprache“ zusammen. „Wir fühlten uns angegriffen“, sagte der Bürgerrechtler Morris Griffin. „Die Lage hat sich in manchen Situationen und Bereichen verbessert, aber wir wollen Jobs“, fügte er hinzu. Zahlreiche weitere Bürger nutzten die Gelegenheit, ihre Meinung zu sagen. Örtliche Medien veranstalteten Diskussionsrunden über die Lehren aus den Ereignissen, außerdem gab es Gottesdienste sowie eine Veranstaltung mit dem Bürgermeister von Los Angeles, Antonio Villaraigosa.

Das damals 26-jährige Opfer veröffentlichte anlässlich des Jahrestages seine Autobiografie. Seit den Ereignissen vor 20 Jahren kämpfte King gegen eine Drogensucht und verstieß mehrmals gegen Gesetze. Rassismus sei noch immer ein Problem, sagte er am Sonntag. „Es wird immer eine gewisse Art von Rassismus geben.“ Die Menschen müssten aber „zurückschauen und sehen, was wir bisher erreicht haben“.

In den USA hatte der Fall des 17-jährigen Trayvon Martin, der Ende Februar durch ein Bürgerwehrmitglied in Florida erschossen wurde, das zunächst auf Grundlage des Gesetzes unbehelligt blieb, die Debatte um Rassismus bei Polizei und Justiz erst kürzlich wieder angefacht. (APA/AFP)

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