Lehrlinge erwarten ein Danke vom Chef

Immer weniger junge Leute streben einen Tourismusberuf an. In Landeck luden Lehrlinge zur brisanten Diskussionsrunde.

Von Helmut Wenzel

Landeck –Die Winterbilanz ist noch nicht offiziell, doch aller Voraussicht nach übertrifft der Tourismusbezirk Landeck die Nächtigungsbilanz des Vorjahres. Die Marke vom Winter 2010/2011 liegt bei 5,63 Millionen Übernachtungen. Das heißt, die Nachfrage an touristischen Dienstleistungen steigt weiter.

Nur beim touristischen Facharbeiternachwuchs geht der Trend in die andere Richtung. „Die Berufe Gastronomie- und Restaurantfachmann sind bei der Jugend immer weniger gefragt“, zeigt die Projektgruppe 3B der Landecker Fachberufsschule für Tourismus und Handel (TFBS) auf. Daher habe man sich Gedanken zu den Ursachen gemacht.“ Höhepunkt des Schulprojekts mit Fachlehrerin Martina Bombardelli war kürzlich eine Diskussionsrunde. Die Lehrlinge diskutierten mit Vertretern von AMS, Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer sowie mit Wirten und Tourismussprecherin Agnes Pregenzer.

„Leider sehe ich meinen Chef sehr selten. Offenbar hat er kein Interesse an meiner Ausbildung“, stellt ein 18-jähriger Gastro-Lehrling fest. Ein Drei-Minuten-Gespräch einmal in der Woche müsste möglich sein, ist der junge Mann überzeugt. „Oft wissen die Chefs gar nicht, um was es bei der Ausbildung geht. Sie sollten uns Lehrlinge nicht als billige Arbeitskräfte sehen“, zeigt ein angehender Facharbeiter auf.

Von einem Aha-Erlebnis berichtete ein Mädchen, das sich in der Schweiz um einen Job als Gastronomiefachfrau beworben hatte: „Die wissen gar nicht, dass es diesen Beruf gibt. Ich bin dort weder als Koch noch als Kellnerin gesehen worden.“

Sie plädiere, die früheren Berufsbezeichungen Koch und Kellner wieder einzuführen, betont Agnes Pregenzer: „Unabhängig davon ist mir die Professionalität unserer Mädchen sehr wichtig.“

Ein kleines, aber offenbar wesentliches Anliegen ist den Gastro-Lehrlingen die Anerkennung ihrer Leistungen. „Ich würde mir manchmal ein Danke wünschen“, brachte eine junge Dame das Thema auf den Punkt. Anerkennung bedeute auch mehr Partnerschaft und gegenseitiger Respekt im Betrieb. Wenig Anreiz, einen Tourismusberuf zu ergreifen, sehen die Lehrlinge in der Bezahlung. „Wenn es um die Leistungen geht, sind wir unterbezahlt“, stellt ein Bursche fest. „Andererseits ist es möglich, in der Saison viel Geld zu verdienen“, zeigt Pregenzer auf. „Jeder muss seinen Marktwert selber finden. Bei mir war der Mindestlohn noch nie ein Thema“, betont die Fisser Hotelierin. Zu den sinkenden Lehrlingszahlen zeigt AMS-Leiter Günther Stürz auf: „Zu Geburtenknick kommen Nachteile bei der Attraktivität dieser Berufe. Abends und am Wochenende arbeiten schreckt viele ab.“ Eine positive Entwicklung sieht er bei den Mitarbeiter-Unterkünften: „Da hat sich sehr vieles verbessert.“

Die Projektgruppe der TFBS sieht sich mit den Umfragen an Haupt- und polytechnischen Schulen bestätigt: „Das Image der Tourismusberufe ist schlecht bis katastrophal. Fast niemand hat Interesse am Gastgewerbe.“

Einig sind sich Lehrlinge und Sozialpartner zumindest in einem Punkt: Englisch als wichtigste Sprache für den Tourismus müsse in der Ausbildung verstärkt werden.