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Mordfall Spiss: Frau von Opfer wurde angeblich betäubt

Der ermordete Südtiroler soll sich zuletzt mit einem Bekannten namens Sandro getroffen haben, berichtet die Familie des Opfers.

Spiss, Friedrichshafen – Die Ermittlungen im Mordfall von Spiss laufen auf Hochtouren. Laut Angaben des Nachrichtenportals „Südtirol Online“ verfolgen die Beamten derzeit eine konkrete Spur zu einem Bekannten des Opfers.

Die Familie des ermordeten Südtirolers gab an, dass sich der 39-Jährige kurz vor einer geplanten Südtirol-Reise mit dem italienischsprechenden Mann namens Sandro getroffen habe. Seiner Frau, der Mutter und dem Sohn habe er unterdessen gesagt, sie sollten alleine von Deutschland losfahren, er würde sie dann in Meran treffen.

Wie italienische Medien berichten, soll die Frau dem Unbekannten Kaffee serviert haben, der die Familie spantan besucht habe. "Ich habe ihn noch nie zuvor gesehen, aber mein Mann schien ihn gut zu kennen", erklärte die Frau gegenüber der Polizei. Als sie selbst ihren Kaffee ausgetrunken hatte, sei ihr schlecht geworden. Daraufhin habe sie sich aufs Sofa gelegt und sei eingeschlafen. Als sie wieder aufwachte, sei ihr Mann mit dem Besuch verschwunden gewesen. Gegenüber der Polizei soll die Frau den Verdacht geäußert haben, dass ihr der Unbekannte Schlafmittel in den Kaffee gemischt haben könnte. Da sie angenommen habe, ihr Gatte sei bereits losgefahren, habe auch sie sich mit ihren Kindern auf den Weg gemacht. Ihr Mann sei zu diesem Zeitpunkt telefonisch nicht mehr zu erreichen gewesen.

Die Mutter des Ermordeten gab unterdessen bei der Polizei an, dass ihre Schwiegertochter ihr berichtet habe, wie sie gesehen hätte, dass ihr Mann ins Auto dieses Unbekannten gestiegen sei.

Die Fahndung nach dem Unbekannten wurde bereits eingeleitet. Die Ermittler gehen aber auch weiteren Hinweisen nach. Die Spuren des Mordopfers verlieren sich am Freitagnachmittag – von da an wurde er von niemandem mehr gesehen. Mitte der Woche soll die ausgewertete Telefonliste des Südtirolers, der zuletzt in Friedrichshafen lebte, vorliegen. Die Ermittler gehen derzeit nicht davon aus, dass der Mord mit dem früheren Bekanntenkreis des Südtirolers zu tun hat. Er dürfte eher in Deutschland an zwielichtige Kontakte geraten sein, vermuten sie. Ausgeschlossen sei ersteres allerdings nicht.

Vor rund einem Monat soll der 39-Jährige seiner Schwester einen Schlüssel zu einem Bankschließfach gegeben haben, mit dem Hinweis, dass sie den Inhalt abholen solle, wenn ihm etwas zustoße. Über eine konkrete Bedrohung soll er aber mit seiner Familie nicht gesprochen haben. "Er war sehr nervös und hat mir gesagt, wenn ihm was passiere, solle ich vom Schlüssel Gebrauch machen", zitiert die italienische Tageszeitung "Alto Adige" die Schwester des Toten. Die Polizei in Deutschland erhofft sich durch die Öffnung des Bankschließfaches konkrete Hinweise, die zu einem Mörder führen könnten.

Der 39-Jährige Südtiroler dürfte zwischen 21. und 22. April in Spiss mit einem dumpfen Gegenstand auf den Kopf geschlagen worden sein. Dann warf ihn der Mörder über einen Abhang. Wie berichtet, wurde der Leichnam von einem Polizisten entdeckt, der eigentlich auf der Suche nach dem Bären „M13“ war. Dieser hatte in Spiss einen Waldbrand ausgelöst.

Der Tote war vor rund zwei Jahren nach Deutschland gezogen. In Italien war er wegen illegaler Geschäfte ins Visier der Ermittler geraten. Er soll einer Autoschlepper-Bande angehört haben, berichten italienische Medien. In Friedrichshafen wollte er angeblich seine Vergangenheit hinter sich lassen. Er eröffnete ein Geschäft mit Südtiroler Spezialitäten. Wie die Poliei berichtet, soll er sich auch dort schnell verschuldet haben, die Miete für sein Lokal und seine Wohnung soll er über Monate schuldig geblieben sein. Ob ihn die Vergangenheit wieder eingeholt hat, oder doch neue kriminelle Kontakte in Deutschland für den Tod des Mannes verantwortlich sind, ist derzeit Gegenstand der Ermittlungen. (tt.com)

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