Nach Drama in Osttirol: Ermittlungen gegen Piloten, Slowake tot geborgen

Gegen den Piloten wird wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen ermittelt. Die Leiche des verunglückten Slowaken wurde am Montag unterdessen geborgen

Prägraten - Einen Tag nach dem für einen Alpinpolizisten tödlichen Einsatz bei der Bergung eines verunglückten Slowaken am Großvenediger in Osttirol hat die Staatsanwaltschaft Innsbruck die Untersuchungen für den Hergang in Auftrag gegeben. Ermittelt werde vorerst gegen den Piloten des Hubschraubers „wegen der fahrlässigen Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen“, erläuterte Staatsanwalt Hansjörg Mayr, Sprecher der Anklagebehörde, am Montag.

Weiteres könne er zu Beginn der Ermittlungen noch nicht sagen. Jetzt müssten die an dem Zwischenfall Beteiligten einvernommen werden und eine Begutachtung vor Ort stattfinden. Eine Befragung des mit 2500 Flugstunden als „sehr erfahren“ geltenden Piloten sei am Sonntag noch nicht möglich gewesen. Dieser habe sich noch nicht imstande gefühlt, schilderte Roy Knaus, Geschäftsführer von Heli Austria. Dafür sei der bei der Bergeaktion im Einsatz gestandene Helikopter - der in Osttirol stationierte „Martin 4“ des Salzburger Hubschrauber-Unternehmens - bereits von einem Sachverständigen begutachtet worden. „Er ist freigegeben worden“, sagte Knaus. Demnach wurde kein technischer Defekt festgestellt. „Wir werden schauen, wo wir die Untersuchungen unterstützen können“, meinte der Heli-Firmenchef. Auch gilt zu klären, warum der Alpinpolizist bei dem Flug überhaupt am Transportseil mitflog

Slowake tot geborgen

Montagfrüh war unterdessen erneut eine 22-köpfige Mannschaft auf den 3657 Meter hohen Großvenediger aufgebrochen, um den am vergangenen Samstag in eine Gletscherspalte gestürzten Slowaken zu bergen. Auch ein Hubschrauber unterstützte die Bergretter und Alpinpolizisten. Am frühen Nachmittag wurde der inzwischen bereits verstorbene 35-jährige Verunglückte, ein Polizist, schließlich freigelegt und geborgen. Mit Hilfe eines Schremmhammers wurde zuvor gearbeitet, um die Spalte zu verbreitern und zu dem in rund 40 Meter Tiefe kopfüber verkeilten Alpinisten vorzudringen. Mithilfe eines sogenannten Dreibeins wurde er aus der Gletscherspalte gezogen. „Er wurde dann auf dem Landweg zum Defreggerhaus gebracht“, erklärte Bergrettungschef Peter Ladstätter.

Der Einsatz gestaltete sich aufgrund der beengten Situation in der Gletscherspalte schwierig, schilderte Ladstätter. Immer wieder hätten sich die 22 Mann der Bergrettung und Alpinpolizei intern abwechseln müssen. Laut Ladstätter habe es sich in Bezug auf die Witterung im Vergleich zum Sonntag - es herrschten schlechte Sichtverhältnisse und Sturmböen - um einen „Standardeinsatz“ gehandelt. Die Retter hätten sich konzentriert zu dem Verunfallten vorgearbeitet.

Betroffenheit in Osttirol

In Osttirol herrschte auch am Montag tiefe Betroffenheit. Und zu der Trauer und dem Schock mischt sich immer wieder die Frage nach dem Warum. Noch sind viele Fragen zum genauen Hergang und zur Ursache des Unfalls ungeklärt. Am Sonntagvormittag war es in 3657 m Seehöhe im Großvenedigergebiet zu dem folgenschweren Unglück gekommen, bei dem ein Alpinpolizist aus dem Bezirk Lienz sein Leben verlor und zwei Bergretter aus Prägraten verletzt wurden, die TT berichtete. Die beiden überlebenden Männer befinden sich derzeit noch im Bezirkskrankenhaus Lienz.

Die Dreiergruppe war gegen 11 Uhr am Transport-Tau eines Hubschraubers zu einer Einsatzstelle unterwegs, an der der Slowake geborgen werden sollte. Das Fluggerät geriet aufgrund von Sturm und Nebel in Turbulenzen, woraufhin der Pilot das Seil ausklinkte, um „Schlimmeres“ zu verhindern. Das Manöver endete tragisch, die Männer stürzten rund zehn Meter in die Tiefe und landeten hart auf dem Eis. Der allseits bekannte und im Bezirk Lienz überaus geschätzte Alpinpolizist Franz Franzeskon erlag noch am Berg seinen schweren Verletzungen. (fund, tt.com, APA)