Experten für Baumkontrolle im urbanen Raum unterwegs

Vor zehn Jahren wurde mit der Einführung eines Baumkatasters der Grundstein zur detaillierten Erfassung des Baumbestandes in Lienz gelegt.

Von Claudia Funder

Lienz –Bäume werden alt, können Krankheiten bekommen, aber auch bei Bauarbeiten Schaden erleiden. Der schlechte Zustand von Ästen, Stämmen oder Wurzeln ist für Laien auf den ersten Blick oft nicht erkennbar. Dennoch stellt dieser in vielen Fällen ein Sicherheitsrisiko dar.

In der Stadt Lienz gibt es derzeit rund 3000 Bäume auf öffentlichem Grund. Seit dem Jahr 2000 wurden 650 neue Objekte gepflanzt, im gleichen Zeitraum aber auch 470 Bäume gefällt.

2001 wurden die Bereiche Forst und Garten zusammengelegt, für Martin König kam ein neues, spannendes Aufgabenfeld hinzu, dem er sich in der Folge intensiv zu widmen begann. Im Zuge von Gesprächen mit Kollegen in anderen Städten und von Kursen lernte er Modelle zur Baumdokumentation kennen, die zwar Daten produzieren, aber häufig an der Praxis vorbeigehen. Es galt, ein individuelles Projekt für Lienz auf die Beine zu stellen. „Der Baumkatas­ter wurde im Juni 2002 präsentiert“, erzählt König. „Ein Maßnahmenkatalog wurde erstellt, Bewertungsstufen und -kriterien wurden fixiert. Bisher hatte es etwa keine kontinuierliche Überprüfung der Baumkronen gegeben.“

Viel Arbeit kam in der Folgezeit auf König und seine Mitarbeiter zu, galt es doch, den Bestand zu erfassen, fachgerecht zu überprüfen und Maßnahmen zu Schutz und Pflege sowie gegebenenfalls zur Sanierung zu treffen. Seit drei Jahren sind Martin König, Josef Oberlojer, Martin Walder, Roman Berger und Josef Steinringer mit Laptop unterwegs, um alle Daten und das umfangreiche Bildmaterial – die Schritte werden auch mit Fotos dokumentiert – stets parat zu haben und neue Infos gleich vor Ort einspeichern zu können. „Pro Jahr werden rund 500 Bäume kontrolliert“, betont Josef­ Oberlojer. „Derzeit gibt es auf öffentlichem Grund 104 Baum­arten und -gattungen. Mit der Rosskastanie, dem typischen Stadtbaum, gingen wir zurück. In den letzten Jahren wurden standortgerecht vorwiegend Ahorn, Linden und Ulmen gepflanzt.“

„Mit dem Baumkataster haben wir einen Nachweis zur Erfüllung der Verkehrssicherheit, eine detaillierte Übersicht über Anzahl und Zustand der Bäume sowie eine Grundlage für zu treffende Maßnahmen“, erklärt König. „Besondere Sorgfalt ist entlang von Hauptachsen angebracht, aber auch bei Schulen, Kindergärten, in Parks und auf Spielplätzen.“ Derzeit seien nur 17 Bäume in der Stadt sehr stark geschädigt, ihnen gilt eine besondere Aufmerksamkeit. Auf Park- oder Baustellenschäden wird reagiert. Dürre Äste, die auf die Straße fallen, gibt es kaum noch, der Zustand hat sich massiv verbessert. Der Baumkatas­ter lieferte viele wichtige Erkenntnisse. So wird genau darauf geachtet, ob ein Baum auch zum Standort passt. Heute entscheidet man sich vermehrt für Bäume mit kompakten Kronen. Auf Plätzen darf es auch einmal eine ausladende Variante sein, deren Krone sich breit entfaltet. Neu ist auch, dass der Sommer­schnitt forciert wird.