Natur

Von Mut und Machtlosigkeit

Gebhard Tschavoll zeigte Bauern in Brasilien, wie sie natürliche Ressourcen nutzen können. Zurück kam er voller Respekt für Menschen, an denen er sich seither ein Beispiel nimmt.

Von Michaela Spirk-Paulmichl

Stams, Ibotirama –Sertão ist eine unterentwickelte, halbwüstenähnliche Region im Nordosten Brasiliens. Bis in die 90er-Jahre gab es hier noch Lepra. Und doch wollte der Landschaftsplaner Gebhard Tschavoll aus Stams genau dorthin. Als Berater, um den Menschen in dieser armen, vergessenen Gegend in Umwelt- und Wasserfragen beizustehen. Auch wenn diese Bezeichnung in seinen Ohren etwas überheblich klingt. Denn eigentlich sei er es gewesen, der während seines zweijährigen Auslandsaufenthalts für Horizont3000, eine österreichische Organisation für Entwicklungszusammenarbeit, am meisten dazulernen konnte.

Von Ibotirama aus, einer kleinen Stadt am Rio São Francisco, dem drittgrößten Fluss Brasiliens, organisierte der Tiroler Fortbildungsveranstaltungen für die Menschen in der Region. Dabei ging es um Veredelungstechniken für Obst und Gemüse, um den Anbau von Pflanzen in kleinen Gewächshäusern und um Bewusstseinsbildung: „Für viele sehr arme Landbesitzer ist der Anreiz groß, ihre mit Wald bewachsenen Flächen abzuholzen, um zumindest für einige Monate Geld zu haben.“ Ihnen galt es zu zeigen, dass der massive Wassermangel – in der Region regnet es nur drei Monate im Jahr – mit Rodungen zusammenhängt. Auch im Kampf gegen die Umweltkriminalität war der Tiroler beratend tätig. So wird Vegetation mit Bulldozern niedergewalzt und zu Kohle verarbeitet. „Die Stahlindustrie hungert nach Holzkohle.“

Die klimatischen Bedingungen haben sich zuletzt stark verändert, die Trockenheit nahm zu. Schließlich zog die Regierung auch noch ein altes, umstrittenes Projekt aus der Schublade, nämlich die Ableitung von Teilen des Rio São Francisco zugunsten von Großplantagen und der Stahlindustrie. Das Projekt steht vor der Realisierung. Nicht einmal der international bekannte Bischof Luís Flávio Cappio konnte es mit seinem Hungerstreik verhindern.

Häufig sei die Arbeit in Brasilien nur ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen, sagt Gebhard Tschavoll. „Es waren kleine Schritte.“ War der Einsatz für ihn frustrierend? „Ja und nein“, meint er. „Einerseits ist da diese Machtlosigkeit, die man immer wieder zu spüren bekommt.“ Und dann sei da aber auch dieser Elan und Enthusiasmus von Menschen, die Antworten haben, die mit gutem Beispiel vorangehen und ihr Wissen über den Umgang mit der Natur auch mit anderen teilen. Ihnen fühlt sich der inzwischen wieder nach Stams zurückgekehrte Tiroler sehr zu Dankbarkeit verpflichtet. Als er vom WWF gebeten wurde, sich gegen ein Laufkraftwerk und für die Erhaltung der Innauen im Oberland zu engagieren, wurde er aktiv – immer das Vorbild der Menschen in Brasilien vor Augen und ihren Mut zur Mitbestimmung. In seinem Fall war die Initiative erfolgreich. Als Eigentümer eines Büros für Landschaftsplanung und -gestaltung musste der 41-Jährige allerdings Einbußen in Kauf nehmen und sich Fragen gefallen lassen, ob er gegen die wirtschaftliche Entwicklung oder gar für Atomstrom sei. „Doch das musste ich in Kauf nehmen, in Brasilien bezahlen die Menschen ihren Einsatz oft mit dem Leben.“ – Beim Horizont3000-Informationsabend (siehe Box) berichtet Gebhard Tschavoll über seine Arbeit am Rio São Francisco.

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