Jobkrise

Nichts zu feiern am Tag der Arbeit

Aufgrund drastischer Sparpakete lahmt die Wirtschaft vor allem in Europa. Laut der Internationalen Arbeitsorganisation wird sich die Jobkrise weiter verschärfen.

Auch heuer wird heute rund um den Globus wieder traditionell der Tag der Arbeit gefeiert. Und das, obwohl es derzeit in den meisten Ländern an der Jobfront überhaupt nichts zu feiern gibt.

Im Gegenteil: Die Arbeitslosenzahlen sind schon jetzt alarmierend und laut der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) wird sich die Jobkrise weiter verschärfen. Ende 2012 werden weltweit rund 202 Millionen Menschen ohne Arbeit dastehen, Ende 2013 bereits geschätzte 207 Millionen. In den Industrieländern und dort vor allem in Europa werde die Beschäftigung nicht vor Ende 2016 wieder das Vor-Krisen-Niveau von 2008 erreichen.

Sparpolitik vertieft Krise

In ihrem am Montag erschienenen Bericht kritisiert die ILO vor allem die derzeit grassierende Sparpolitik in der Eurozone. Sie vertiefe die Krise und könnte gar zu einer erneuten Rezession in Europa führen. In zwei Drittel der europäischen Länder nehme die Arbeitslosigkeit derzeit zu. Österreich und Deutschland gehören zu den wenigen Ländern, die seit 2007 steigende Beschäftigungsraten haben.

Besorgniserregend sei insbesondere die Jugendarbeitslosigkeit. Diese habe in 80 Prozent der entwickelten Volkswirtschaften zugenommen. Auch die Dauer des arbeitslosen Zustands erhöhe sich zunehmend: Über 40 Prozent der Arbeitssuchenden seien bereits seit einem Jahr oder länger ohne Erfolg geblieben.

ILO fordert Steuersenkungen und Investitionen

Die zunehmende Arbeitslosigkeit verstärke auch das Risiko für das Aufkommen sozialer Unruhen. Ein solches Gefahrenpotenzial ortet die ILO in 57 der 106 untersuchten Länder. Anstatt zu sparen, sollten deshalb vielmehr günstige Bedingungen für die Ermöglichung von Arbeitstätigkeit geschaffen werden.

Zu diesen zählt die ILO unter anderen Steuererleichterungen, Investitionen der öffentlichen Hand und bessere Sozialleistungen. Gemeinsam könnten diese Maßnahmen bis zu 2 Millionen neuer Arbeitsplätze in den Industrieländern generieren.

„Marshall-Plan“ für EU im Gespräch

Auch die EU scheint sich langsam der Ernsthaftigkeit der Lage bewusst zu werden. Nachdem bisher alle von der Schuldenkrise betroffenen Länder zu einem rigorosen Sparkurs gezwungen worden sind, soll nun eine Art „Marshall-Plan“ zur Ankurbelung der Wirtschaft initiiert werden. (Mehr dazu: http://go.tt.com/ICnGC0 )

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel will jedenfalls bis zum EU-Gipfel im Juni eine europäische „Wachstumsagenda“ vorlegen. Der wachsende Widerstand in Europa gegen den von Deutschland forcierten Sparkurs zwingt die deutsche Regierung, Impulse für Wachstum und Jobs zu setzen.

Denn selbst im bisherigen Wirtschaftsmotor Deutschland stagniert jetzt offenbar die Nachfrage nach Arbeitskräften. Die Zahl der offenen Stellen sank im April so stark wie zuletzt vor drei Jahren. Experten sehen darin einen Hinweis auf ein Auslaufen des jahrelangen Jobaufschwungs.

Schuss ins Knie?

John Williams, Mitglied der US-Notenbank, brachte es am Montag mit seiner Aussage wohl auf den Punkt: „Wenn die Konjunktur schwach ist und zu viele Länder gleichzeitig sparen, wird es für die Staaten mit Problemen schwerer, wieder zu normaler Wirtschaftsleistung zurückzukommen“. Die Eurozone könnte sich mit ihrem drastischen Sparkurs demnach selbst in die Knie zwingen. (siha, APA)

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