Gesellschaft

Nigeria will mit Staaten der Region gegen Islamisten kämpfen

Mit Blick auf die für zahlreiche Anschläge in Nigeria verantwortliche Islamistensekte Boko Haram wollen fünf west- und zentralafrikanische Staaten ihre Zusammenarbeit für die Sicherheit in der Region ausbauen.

N‘Djamena, Maiduguri – Die Staatschefs von Nigeria, dem Niger, Kamerun, dem Tschad und der Zentralafrikanischen Republik vereinbarten am Montag in N‘Djamena eine Reaktivierung der multinationalen Sicherheitstruppe der Kommission des Tschad-See-Beckens (CBLT), wie aus einer Erklärung hervorgeht. In dem Dokument wird Boko Haram nicht erwähnt, Teilnehmer verwiesen jedoch auf den Zusammenhang. Bei einem neuerlichen Anschlag auf einen Polizeikonvoi in Nigeria waren am Montag mindestens elf Menschen getötet worden.

Durch die Bombenexplosion in der östlichen Stadt Jalingo seien zudem 22 Menschen verletzt worden, sagte ein Mitarbeiter des Roten Kreuzes vor Ort. Der Anschlag habe sich morgens in der Nähe des Polizeipräsidiums ereignet, als Polizeichef Mamman Sule in einem Konvoi gerade zur Arbeit gefahren sei. Durch die Detonation wurde die Windschutzscheibe des Fahrzeugs von Sule zerstört. Der Polizeichef selbst blieb unverletzt.

Am Wochenende waren bei zwei Anschlägen auf Christen im Norden Nigerias mindestens 19 Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt worden. In der Region hatte zuletzt die radikal-islamische Sekte Boko Haram Hunderte Christen getötet. Sie will einen muslimischen Staat in dem ölreichen Land errichten. Rund um Jalingo, die Hauptstadt des Bundesstaates Taraba, kommt es dagegen eher selten zu Anschlägen.

Ein Experte sagte der Nachrichtenagentur AFP, die 1998 gegründete multinationale CBLT-Truppe habe de facto niemals existiert, „aber die Bedrohung durch Boko Haram zwingt die Staaten zu deren Einsetzung“. Der Generalsekretär des tschadischen Außenministeriums, Moussa Mahamat Dago, sagte, die Reaktivierung der Truppe sei „angesichts der aktuellen Lage eine wichtige historische Entscheidung“. Er verwies vor allem auf Boko Haram als Gefahr für die Sicherheit in der Region. Der Präsident des Tschad, Idriss Deby Itno, sagte, Boko Haram stelle eine „permanente Bedrohung“ dar.

Boko Haram kämpft mit Gewalt für die Errichtung eines islamischen Staates im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias und verübt regelmäßig Anschläge auf Polizei, Behörden und Kirchen. Seit Mitte 2009 starben durch Anschläge von Boko Haram mehr als tausend Menschen. (APA/AFP/Reuters)

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