Aus dem letzten Keller-Eck in lichte Curling-Höhen

Die Kitzbühelerin Claudia Toth sorgte gemeinsam mit Partner Christian Roth für die erste WM-Medaille des österreichischen Curlingsports.

Von Max Ischia

Innsbruck –Keine improvisierte Medaillenfeier, kein knallender Sektkorken, nichts. „Wir haben uns etwas vom Chinesen geholt und das war‘s. Um halb elf bin ich todmüde ins Bett gefallen.“ Als Claudia Toth am Montagabend mit der WM-Bronzemedaille im Gepäck von der Mixed-Double-Curling-Weltmeisterschaft aus Erzurum (TUR) zurückkehrte, hatte sich die Müdigkeit bis in die Haarspitzen geschlichen. Zu sehr steckte der Kitzbühelerin der weltmeisterliche Finaltag samt abendlicher WM-Feier in den Knochen. Schließlich galt es, das erste Edelmetall für Österreichs Curlingsport bei einem Großereignis standesgemäß zu begießen.

Ein Edelmetall, welches durchaus das Prädikat sensationell verdient. Denn Curling genießt hierzulande einen ähnlichen Stellenwert wie das Kunstbahnrodeln in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Mehr noch: Um das heimische Curling ist es unterirdisch bestellt. Zumindest, was die Lage des Leistungszentrums betrifft. Die einzige Curlinghalle Österreichs ist in den Kitzbüheler Mercedes-Sportpark integriert – im Kellergeschoß, „im allerletzten Eck“, wie Toth augenzwinkernd versichert.

Begonnen hat alles ein paar Etagen höher. Am Lebenberg, nur einen ambitionierten Steinwurf vom elterlichen Anwesen entfernt. „Beim Eislaufen haben Karina (Schwester und ebenfalls Nationalteamspielerin, Anm.) und ich einmal als kleine Mädchen zugeschaut und sind irgendwie hängen geblieben.“

Die Curlingbahnen am Lebenberg sind inzwischen dem Erdboden gleichgemacht, geblieben ist der verstaubte Ruf. „Bei uns verbindet man Curling immer noch mit Hausfrauensport.“

Dabei, wird Toth mit schriftdeutschem Zungenschlag nicht müde zu betonen, handle es sich um eine höchst komplexe Sportart – die nebst mentaler und technischer Komponenten auch dem Körper vieles abverlange. „Es ist ähnlich wie beim Biathlon. Beim Wischen schnellt der Puls schon auf 180, 190 hoch, dann bleibt dir gerade einmal eine halbe Minute zum Durchschnaufen, um den Stein im Millimeter- und Hundertstelbereich richtig abzulegen.“

Apropos ablegen. Um dem Curling einen zeitgemäßen Anstrich zu verpassen und mediale Aufmerksamkeit zu generieren, posieren ausgewählte Spitzenspielerinnen seit 2005 jährlich und nackt für einen Kalender. Dieser ist inzwischen nicht nur in der Szene Kult. Claudia war wie Schwester Karina bei der Premiere dabei. „Weil‘s Spaß gemacht hat und die Message stimmte.“ Der Reinerlös fließt in die Nachwuchsförderung bzw. kommt karitativen Zwecken zugute.

Das mit dem Posieren vor der Kamera steckt Toth ohnedies im Blut. Während ihrer beiden abgeschlossenen Studien (Modedesign, internationale Wirtschaft) verdiente sich die Brünette als Model ein Zubrot, ein Angebot des deutschen Playboys lehnte sie einst dankend ab.

Heute modelt die Marketinglady eines in München sesshaften internationalen IT-Unternehmens nur noch „höchst selten“, wie sie meint. Wie überhaupt sie darüber nicht gerne spricht. Schon lieber parliert sie über die technischen Feinheiten, wenn sie den 20 kg schweren Stein auf die 42 Meter lange Reise über kleinste Eiskügelchen schickt – und dieser am Ende sein Ziel findet. Wie am Sonntag beim 12:7-Erfolg über die USA, der Bronze bedeutete. WM-Bronze.