Das Zillertal stand Kopf

20.000 Zuschauer genossen am Staatsfeiertag beim siebten Kini-Fullgas-Day in Schlitters den Motorsport hautnah. Das bedeutete zugleich einen neuen Zuschauerrekord.

Von Daniel Suckert

Schlitters –„Wo ist denn der Vettel, Papa?“, fragt ein kleiner Bub mit einer dunkelblauen Red-Bull-Kappe am Kopf, während er langsam hinter dem Vater am Veranstaltungsgelände in Schlitters dahinschlendert. „Der kommt heute nicht, Marcel“, antwortet der Vater etwas genervt, den Blick auf die VIP-Tribüne gerichtet. Blitzartig bleibt Marcel stehen und fragt entsetzt: „Wieso kommt der nicht?“ Der Vater will nicht genauer darauf eingehen und meint kopfschüttelnd: „Weil er halt keine Zeit hat. Geh weiter jetzt. Ich will dich nicht verlieren bei so vielen Leuten.“

Die Übersicht kann man an diesem Staatsfeiertag am Veranstaltungsgelände ganz schnell verlieren. 20.000 Zuschauer wollen sich die Motorsportshow nicht entgehen lassen. Sogar die Feuerwehr muss statt wie geplant nicht erst um neun Uhr, sondern schon um halb acht Uhr anrücken. Zu diesem Zeitpunkt strömen bereits die ersten Zuschauermassen von beiden Seiten der Bundesstraße zu der Motorsportausstellung. Und als um elf Uhr die erste Trialshow über die Bühne geht, sind freie Sichtmöglichkeiten schon Mangelware.

„Wieso kommt der Vettel nicht?“, insistiert der kleine Marcel auch Momente später noch. Keinen Schritt will er mehr machen, ohne endlich eine Antwort auf seine Frage zu erhalten. „Schau, dort oben ist der David Coulthard. Der ist auch einmal Formel 1 gefahren“, hofft der Vater mit der gebotenen Alternative den Jungen endlich zum Weitergehen animieren zu können. „Du hast gesagt, dass der Vettel kommt!“

Aber auch ohne den Doppelweltmeister, der an diesem Tag in Mugello die ersten Testfahrten absolviert, folgten etliche andere Stars dem Ruf von Veranstalter Heinz Kinigadner. Skispringer Gregor Schlierenzauer schreibt kräftig Autogramme, DTM-Pilotin Susie Wolff bestaunt die Rallye-Trucks und die Schauspiel-Brüder Tobias Moretti und Gregor Bloéb zeigen sich besonders von der Driftshow angetan. Alle wollen ihren Beitrag leisten. Schließlich kommt der Gesamterlös der Forschungsstiftung „Wings for Life“ zugute. Die Stiftung darf sich am Ende des Tages freuen: ein Zuschauerrekord lässt die Kasse kräftig klingeln.

Und auch der kleine Marcel hat Minuten später die Abwesenheit von Doppelweltmeister Vettel verdaut. Denn da lutscht er genüsslich an einem Schokoladeneis herum. Bleibt – im Sinne des Vaters – nur zu hoffen, dass die süße Ablenkung ihre Wirkung nicht zu schnell wieder verloren hat.