Konflikt um Jagd in Tirol eskaliert

Jägermeister Karl Berktold attackiert in einem Brief an die Bürgermeister die Landwirtschaftskammer frontal. Josef Hechenberger ist empört.

Von Peter Nindler

Innsbruck –Nach heftigen Protesten des Jägerverbandes hat der für die Jagd in Tirol zuständige LHStv. Toni Steixner (VP) die geplante Änderung des Jagdgesetzes Anfang April zurückgezogen. Mit der Novelle wollte das Land die Probleme der Überhege, von Seuchen wie Tuberkulose (TBC), der Wildstandskontrolle und der Wildschadensverhütung insbesondere beim Rotwild besser in den Griff bekommen. Der Jägerverband bezweifelt hingegen die Wildstandszahlen und sah eine Bevorzugung der Forst- und Grundeigentümerinteressen im neuen Gesetz.

In einem Brief an alle Tiroler Bürgermeister vom 25. April 2012 legt Landesjägermeister Karl Berktold ein gehöriges Schäuferl nach. Mit seinen Attacken gegen die Bauernkammer eskaliert jetzt der Konflikt mit der Landwirtschaft. Schließlich wirft Berktold den Funktionären der Landwirtschaftskammer „unsachliche sowie teilweise auch unwahre Berichterstattung“ im Zusammenhang mit der Rücknahme der Jagdnovelle vor. „Der erhobene Vorwurf, die Funktionäre des Tiroler Jägerverbandes wären nicht bereit gewesen, Verantwortung zu übernehmen, ist völlig haltlos.“ Gleichzeitig bittet der oberste Jäger des Landes die Gemeindechefs um Unterstützung: „Als Landesjägermeister richte ich an Sie, als wichtigem Entscheidungsträger im Lande, den dringenden Appell, dahingehend Einfluss zu nehmen, dass die Jagd in Tirol aus der Politik herausgehalten wird und die immer zündelnden Interessenvertreter entsprechend eingebremst werden.“

Berktolds Ansinnen ist auch ein Frontalangriff auf Toni Steixner, dass sich die Politik in die Jägerei nicht einmischen solle. „Dass wir eine Novelle wegen der vorübergehenden TBC in einem nur sehr kleinen Tirol von Tirol brauchen, ist nicht nachvollziehbar“, bezweifelt er überhaupt die Notwendigkeit eines neuen Jagdgesetzes.

Kammerchef Josef Hechenberger ist wegen der Vorgangsweise Berktolds empört. „Ich muss die Kritik deutlich zurückweisen. Mit der Zurücknahme der Novelle wurde eine Chance vertan.“ Die Landwirtschaftskammer werde jedenfalls Möglichkeiten ausloten, damit der Waldschutz gewährleistet wird. „Auch ohne Novelle“, so Hechenberger. Der Waldzustand in den Revieren müsse bei den Abschusszahlen mitberücksichtigt werden.