Ratten vererben Gewalttätigkeit gegen Partnerinnen

Die Parallelen zum Verhalten von gewalttätigen Männern seien frappant. Aber die Wissenschafter warnen davor, von Ratten ohne Umschweife auf Menschen zu schließen.

Lausanne - Häusliche Gewalt ist erblich - zumindest bei Ratten. Forschende der ETH Lausanne konnten zeigen, dass Rattenmännchen mit Stresserlebnissen in der Jugend ihre Partnerinnen als Erwachsene markant häufiger attackierten als ungestresste Ratten. Das Verhaltensmuster setzte sich bei ihren Jungen fort. Die Parallelen zum Verhalten von gewalttätigen Menschenmännern - sowie zu den Symptomen ihrer weiblichen Opfer - seien frappant, schrieben die Forschenden um Maria Isabel Cordero vom Brain Mind Institute im Fachblatt „Translational Psychiatry“.

Die Wissenschafter hatten Ratten als Modell gewählt, um zu untersuchen, ob biologische Faktoren dafür verantwortlich sind, dass Söhne von Gewalttätern ebenfalls häufig zu häuslicher Gewalt neigen. Dies ist eine häufige Beobachtung bei Menschen; als Ursachen standen jedoch eher die kulturelle Umwelt oder das soziale Lernen von Rollenmodellen im Verdacht.

Die Forscher hatten junge männliche Ratten angsterregenden Erfahrungen ausgesetzt, nämlich dem Duftstoff von Füchsen und einer hohen Plattform, vor der sich Ratten fürchten. Als Erwachsene griffen diese Ratten ihre Partnerinnen markant häufiger an als ungestresste Artgenossen.

Weder Kultur noch soziales Lernen konnten hierfür verantwortlich sein, da die Ratten beim Stresserlebnis allein waren. Es müssten demnach biologische Faktoren eine Rolle spielen, die von den widrigen Kindheitserfahrungen ausgelöst würden, folgerten die Forschenden.

Das „Bemerkenswerteste“ offenbarte sich laut der Forscher jedoch, als die Jungen dieser Gewalttäter heranwuchsen: Ihre Söhne zeigten genau das gleiche aggressive Verhalten gegen ihre Partnerinnen, obwohl sie weder Kontakt zu ihren Vätern gehabt noch selbst Stress erlebt hatten.

Die Symptome der geplagten Weibchen deckten sich weitgehend mit denen, die auch bei Frauen, die unter häuslicher Gewalt leiden, beobachtet werden: Angstreaktionen und Anzeichen von Depressionen, erhöhter Spiegel an Stresshormonen und Gewichtsverlust.

Die Wissenschafter warnen davor, von Ratten ohne Umschweife auf Menschen zu schließen. Dennoch deute ihre Arbeit darauf hin, dass die derzeitigen psychosozialen Erklärungsmodelle für häusliche Gewalt ausgeweitet werden müssten. „Im stress-induzierten Teufelskreislauf müssen auch biologische Faktoren berücksichtigt und erforscht werden“, schreiben sie. (APA/sda)

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