Fußball

Die EU im ukrainischen Strafraum

Die angespannte Lage in der Ukraine wirft ihre Schatten auf den EU-Aspiranten. Selbst das Innsbrucker Test-Länderspiel gegen den EURO-Ausrichter (1. Juni) wird genutzt, um „ein Zeichen zu setzen“.

Von Florian Madl

Innsbruck –Am 11. und am 15. November des vergangenen Jahres war die Fußballwelt noch in Ordnung. Die Ukraine durfte an diesen Tagen ihre renovierten EM-Stadien gegen Deutschland (3:3 in Kiew) und Österreich (2:1 in Lemberg) einweihen, von einem Protest waren die Gastmannschaften und deren Politvertretungen weit entfernt. Vielmehr verneigten sich die Abordnungen vor dem EU-Aspiranten, dessen Baufortschritt im Hinblick auf die EURO 2012 (ab 8. Juni) den internationalen Vorstellungen entsprochen hatte.

Seit zuletzt Regimegegner mit Bomben die Freilassung der ehemaligen Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko fordern, rümpft Europa indes die Nase. So, als wäre deren Inhaftierung eben an die Öffentlichkeit gelangt. Deutschlands Bundespräsident Joachim Gauck sagte eine für Mitte Mai geplante Reise ab, die fußballaffine Kanzlerin Angela Merkel hat einen Besuch der Fußball-EM von der Entwicklung in dem Land abhängig gemacht.

Entwicklungsstaatssekretärin Gudrun Kopp (FDP) rief gar zu einem Boykott der EM in der Ukraine auf: „Ich plädiere für die Verlegung der Spiele.“ Deutschland selbst und Österreich wurden als Ersatzorte genannt, das Ansinnen wurde jedoch von den Fachverbänden postwendend zurückgewiesen. Nur Spanien, der Titelverteidiger, brachte sich gestern selbst ins Spiel. Selbst mit Europas Verbandspräsidenten Michel Platini will man sich darüber unterhalten haben. Der signalisiert indes kein Umdenken: „Natürlich ist es schwierig, wenn die politischen Verhältnisse instabil sind. Die Ukraine hat gerade den fünften Sportminister in fünf Jahren. Aber was sollen wir machen? Die EM nicht in Länder wie die Ukraine vergeben, weil nicht alles so gefestigt ist wie in westeuropäischen Demokratien? Das ist keine Lösung“, sagte der Franzose zur Zeitung Die Welt. Allerorts werden mittlerweile Zeichen gesetzt: Sportminister Norbert Darabos (S)etwa wird dem Testspiel der österreichischen Nationalmannschaft gegen die Ukraine am 1. Juni in Innsbruck fernbleiben.

Leo Windtner, Präsident des Österreichischen Fußballbunds, hält auf TT-Anfrage wenig von einem Boykott oder gar der Absage des Testspiels: „Was können das ukrainische und das österreichische Team dafür?“ Das Match sei schon vor einem Jahr vereinbart worden, man wolle ein verlässlicher Partner bleiben.

Sollte man die EURO kippen, würde das auch das Spiel betreffen, bekräftigt Windtner. „Die Gefahr scheint allerdings nur gegeben, wenn die Anschläge weitergehen.“

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