„Ein Streicheln für die Seele“

Jonas aus Lienz lebt mit dem Down-Syndrom. Warum er gerade deshalb eine Bereicherung für seine Familie ist, erzählt seine Mutter Pia der Tiroler Tageszeitung.

Von Catharina Oblasser

Lienz –Leben im Hier und Jetzt, Freude ohne Leistungsdruck und eine große Portion Humor: Diese Grundsätze gelten für die Familie von Jonas aus Lienz, seit er vor knapp zwölf Jahren geboren wurde. Jonas ist das dritte Kind von Pia und Karl Schlichenmaier, und er kam mit dem Down-Syndrom zur Welt. „Erfahren haben wir das am Tag seiner Geburt“, erinnert sich Mama Pia, die als Rezeptionistin arbeitet. „Wir haben uns nie darüber den Kopf zerbrochen, warum und wieso. Gleich zu Beginn habe ich Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe in Innsbruck gefunden. Dort habe ich gesehen, dass die Eltern mit ihren Kindern glücklich waren, so wie sie sind.“ Inzwischen besucht der junge Lienzer die erste Klasse der Hauptschule Nord, kann gut schreiben und lesen. Er ist Ministrant in der Pfarre St. Andrä und spielt für sein Leben gerne Reporter.

Natürlich ist das Leben mit einer Behinderung anders, stellt Pia klar. „Jonas hat erst mit zweieinhalb Jahren gehen gelernt, Fahrrad fahren ohne Stützen kann er erst seit Kurzem. Schwimmen kann er auch, allerdings bis jetzt nur unter Wasser“, schmunzelt die Mutter. Das ist zwar mühsam, lehrt aber alle in seinem Umfeld, Rücksicht zu nehmen und Geduld zu haben. Davon profitieren auch die älteren Brüder Jakob (fast 18) und Joakim (14). Besonders viel Freude macht der Familie die direkte und herzliche Art des Jüngsten. Damit bezaubert Jonas auch Besucher im Hause Schlichenmaier. Kaffeegäste werden von ihm mit Keksen verwöhnt, erfahren alles über die letzte Wien-Reise und bekommen zum Abschied gleich zwei ganz feste Umarmungen und gute Wünsche. Da lässt sich leicht nachempfinden, wenn Pia über ihren Sohn sagt: „Mit seiner liebevollen Art streichelt er die Seele.“

Dennoch weiß die dreifache Mutter ganz genau, dass das Leben mit einem behinderten Kind weit entfernt von jeder Idylle ist. Sie engagiert sich ehrenamtlich im Verein „Hand in Hand mit behinderten Kindern“ und ist dort auch Obfrau. „Den Anstoß zur Gründung gab eine Grippewelle 1998. Da wurde so richtig deutlich, was für ein riesiges Problem es ist, wenn die Pflegeperson ausfällt. Wohin mit den Kindern, ist dann die Frage.“ Gemeinsam lässt sich einiges erreichen, hat Pia festgestellt. „Wir tauschen viele praktische Infos aus und geben uns gegenseitig Kraft. Das tut gut.“

Im Zeichen der Gemeinsamkeit steht auch der Abend am 5. Mai. Organisatorin Marianne Hengl, die selbst im Rollstuhl sitzt, stellt die Veranstaltung „Gott schütze unser Leben“ unter das Motto: „Wer hat das Recht, ein Leben mit Behinderung ständig in Frage zu stellen?“